Von Renate Lück


Die Corona-Pandemie zeigt es überdeutlich:
Hilfsorganisationen wie „Nachbarn in Not“
sind für bedürftige Menschen eine große
Stütze. Deshalb sind die Ehrenamtlichen bei
„Nachbarn in Not“ dankbar, dass die
Hilfsbereitschaft der Menschen größer ist
denn je.
Der neue Kassenwart Peter Heinkele staunte
nicht schlecht: 2020 wurden 268.609 Euro an
Spenden für die Hilfsorganisation überwiesen,
das sind 32 Prozent mehr als 2019. Dazu
kamen zwei Großspenden und der Erlös des
„Wintermarkt-Ersatzes“, was die
Gesamteinnahmen 297.077 Euro bedeutet.
Heinkele hatte befürchtet, dass wegen
Corona die Spendenbereitschaft eher
rückläufig sein könnte.
2147 Spender
Aber es waren auch mehr Personen – 2.147
insgesamt, die sich gedacht hatten, dass es
durch die Pandemie noch mehr Menschen

schlechter geht als sonst. „Corona hat zwar
das Leben vieler beeinträchtigt, aber
gleichsam auch eine enorme Solidarität
ausgelöst. Nur so erklärt es sich für mich,
dass die Zahl der spendenwilligen Mitbürger
um neun Prozent gestiegen ist“, schreibt die
Vorsitzende Dr. Roswitha Seidel in ihrem
Jahresbericht.
Bei der Mitgliederversammlung bestätigte
Geschäftsführerin Biggi Haug, bei der alle
Anträge auf Unterstützung ankommen, dass
viel mehr Menschen unterstützt wurden als
üblich. 45 Anträge hatten dabei direkt mit
Corona zu tun. Ein Beispiel dazu steht im
Jahresbericht des Vereins: In einer
fünfköpfigen Familie arbeitete der Vater
Vollzeit in der Gastronomie und die Mutters
putzte abends dort. Die Kinder hatten
zusammen einen Laptop für die
Hausaufgaben. Als Corona kam, verlor die
Mutter ihre Arbeitsstelle und der Vater wurde
in Kurzarbeit geschickt. Die Kinder brauchten
nun fürs Homeschooling drei Computer, denn
sie mussten jeweils in ihren Klassen am
Online-Unterricht teilnehmen. „Nimmt man
daran nicht teil, wird dies mit einer

schlechten Note bewertet. Ausreden lassen
die wenigsten Lehrer gelten“, weiß Biggi
Haug, deren Sohn gerade mit der Schule
fertig ist.
Und dies ist nicht der einzige Fall, bei dem
die Eltern an sich und dem System zweifeln,
nachdem sie bis jetzt stolz darauf waren,
ihren Kindern zu zeigen, wie wichtig es ist, im
Leben zu lernen und zu arbeiten, damit man
sich seine Wünsche erfüllen kann. Aber die
Notlage der Menschen wegen Corona sitzt
teilweise noch tiefer. „Diesmal geht es nicht
um Waschmaschinen, sondern um
Lebensmittel. Wir hatten so viele neue
Antragsteller wie niemals zuvor. Und das hat
sich bis heute nicht geändert“, berichtet Biggi
Haug.
Im Ganzen konnte die Hilfsorganisation 1.634
Menschen mit 184.440 Euro unterstützen.
„Die Summe unserer Hilfestellungen stieg
damit seit Beginn der Aktion im Jahr 1983 auf
4,6 Millionen Euro“, zieht die die Vorsitzende
Dr. Roswitha Seidel Bilanz. Der Dezember ist
jeweils der einträglichste Monat im Jahr,
weshalb Peter Heikele hofft, dass zusammen
mit dem Überschuss aus dem Jahr 2020 die

Spenden für 2021 ausreichen werden, ohne
dass auf das Stiftungskapital zurückgegriffen
werden muss.
Einige bekannte Aktionen, deren Erlöse in der
Vergangenheit „Nachbarn in Not§ zugute
kamen, wie das Erbseneintopfessen der
Redakteure, der Winterbasar und auch einige
Straßenfeste, fielen wegen Corona aus. Aber
die beiden Hobby-Künstlerinnen Lisa Polz und
Gabi Reidelbach wollten ihre Holzsachen
doch unter die Leute bringen und starteten
einen Privatverkauf mit Anmeldung und
Corona-konformem Abstand. Der Rest ging
dann noch beim Weihnachtsbaumverkauf bei
der Firma Walker weg. Da dieses Jahr der
Basar wieder ausfällt, grübeln sie schon über
etwas Ähnliches.
Spenden kamen aber auch vom Rotary-Club,
dem Mundschutzverkauf im Rathaus und der
Apotheke Seidel, verschiedenen Firmen sowie
von Jubiläen und runden Geburtstagen. Die
Vorsitzende dankte allen, die sich für das
Gelingen der Arbeit einsetzen: ihrer
Stellvertreterin Carmen Bühl, der
Geschäftsführerin Biggi Haug sowie den
Verantwortlichen für die Finanzen PeterHeinkele und Doris Martini. Markus und Nikol
Döttling posten Berichte auf Facebook und
stellen Spendenboxen auf. Hans-Jürgen Pöss
hilft immer, wo es nötig ist. Christine Jourdan
im Sozialamt kümmert sich auch in den
Ferien um Hilfsbedürftige.
Neue Mitglieder der Hilfsorganistation sind
seit der Mitgliederversammlung Gabi
Reidelbach und SZ/BZ-Verleger Dr. Christian
Röhm.

„Corona hat enorme Solidarität ausgelöst“