von Renate Lück

Christina M. wohnt im Moment gegen Erstattung der Nebenkosten bei einer Bekannten, weil ihr Zuhause durch einen Brand für ein paar Monate unbewohnbar ist. Der Schaden entstand durch ein defektes Elektrogerät. Sie konnte das Feuer zwar löschen, musste aber mit einer Rauchvergiftung ins Krankenhaus. Ob sie nach der Renovierung der Wohnung wieder dort einziehen kann, ist noch ungewiss.

Die 60-jährige leidet seit einigen Jahren unter Depressionen. Nun hat sie durch das Feuer fast ihr ganzes Hab und Gut verloren. Sämtliche Möbel und die ganze Küchenausstattung müssen neu beschafft werden. Zuvor muss sie eine Firma beauftragen, das verkühlte Inventar zu entsorgen. Erst dann kann sie nach Möbeln, Haushaltsgegenständen und Kleidung Ausschau halten.

Die Kosten übersteigen das Budget ihrer kleinen Rente jedoch beträchtlich. Deshalb bat sie der betreuende Sozialarbeiter „Nachbarn in Not“ um eine Spende, um Christina M. wieder auf die Beine zu bringen.

Wir freuen uns

Die Sindelfinger FDP verkaufte im Rahmen eines Infostandes am Sindelfinger Wochenmarkt selbst gemachtes Quittengelee und Schoko-Crossies für den guten Zweck. Die Einnahmen kommen hälftig der Sindelfinger Bürgerstiftung und dem Verein „Nachbarn in Not“ zugute. Nun wurden diese Einnahmen vom Vorsitzenden des FDP-Stadtverbands, Stadtrat Maximilian Reinhardt, an den Vorsitzenden der Bürgerstiftung Jörg Prigl sowie die stellvertretende Vorsitzende von „Nachbarn in Not“, Carmen Bühl übergeben. Es kamen 400 Euro zusammen, die hälftig auf beide Organisationen aufgeteilt werden. „Wir hoffen, einen kleinen Beitrag zur großartigen Arbeit von Nachbarn in Not und der Sindelfinger Bürgerstiftung leisten zu können“, sagt Reinhardt.

Altersarmut steigt, „Nachbarn in Not“ hilft

von Renate Lück

Der wiedergewählte Vorstand von „Nachbarn in Not“ (NiN), Jürgen Haar, seine Stellvertreterin Carmen Bühl und Finanzvorstand Peter Heinkele hatten bei der Mitgliederversammlung wieder Positives über das vergangene Jahr zu berichten. Fehlende Großspenden wurden durch Beiträge von 2324 Spendern ausgeglichen. 90 mehr als 2022. Sie überwiesen 283 983 Euro. Rund 1 5ßß Menschen wurde mit 186 474 Euro geholfen.

Begrüßen konnte Jürgen Haar neben der Gründerin Dr. Roswitha Seidel die neue Leiterin des Amtes für soziale Dienste, Sonja Katzmann, treue Unterstützer wie Christoph Walker sowie Lisa Polz und Gabi Reidelbach vom Kreativteam, und Dr. Christian Röhm, der mit mehreren Aktionen der SZ/BZ eine Stütze der Hilfsorganisation ist.

Trotz der vielen Anträge, die der Vorstand mit Geschäftsführerin Biggi Haug monatlich bespricht und die ihnen oft an die Nieren gehen, freute sich Jürgen Haar über die E-Mail einer Frau, die sich für die Hilfe nach dem Brand in ihrer Wohnung bedankte. Es gab sogar Rückerstattungen von Menschen, denen auf die Beine geholfen wurde. „Das zeigt, wir leisten Hilfe zur Selbsthilfe“, kommentierte er das. „Wir können es nur machen, wenn wir in der Gesellschaft verankert sind.“

Dass man „Nachbarn in Not“ kennt, bewiesen die Würdigung beim Sindelfinger Ehrenamtspreis, der 5. Platz beim Jubiläum des Charitiy-Vereins Weisses Ballett, dem jährlichen Ansturm auf die Christbäume der Firma Walker und beim Erbsensuppenverkauf auf dem Weihnachtsmarkt sowie der Zuwendung des Rotary-Clubs.

Lisa Polz berichtete über Arbeit und Erfolge der drei Kreativen, die die Lücke des Weihnachtsbasars in der Messehalle bestens ausfüllen. An den zwei Samstagen Ostermarkt auf dem Marktplatz erwirtschafteten sie 2500 Euro, bei den beiden Tagen Herbstmarkt ebenso viel und im Winter im Pop-up-Store, beim Weihnachtsbaumverkauf und auf dem Weihnachtsmarkt in Maichingen zusammen 6000 Euro. „Für die Aktion zusammen mit der Bürgerstiftung hat Gabi Reidelbach Figuren für 160 Spiele ausgesägt – ein Wunder, dass noch alle Finger dran sind“, erzählte sie. Die 2000 Euro Erlös wurden geteilt, zwischen den beiden Vereinen. Monika Bürkle sorgte „nebenbei“ für 76 Paar Socken, die ebenfalls weggingen.

„Die Finanzen sind stabil“, konstatierte Fachmann Peter Heinkele. Zu den Dauerspenden und erarbeiteten Einnahmen füllten 26 000 Euro anlässlich von Geburtstagen und Trauerfällen das NiN-Konto. Erfreulich hatte sich Ende 2022 das Projekt Energie-Prämie gestaltet, bei dem viele die 300 Euro Staatshilfe oder Teile davon an „Nachbarn in Not“ weiterleiteten. „Die Aktion war wichtig, denn es kamen viele Anträge wegen Stromnachzahlungen“, unterstrich er dies.

Gut sei die Zusammenarbeit mit den Stadtwerken gewesen, die klamme Kunden auf die Möglichkeit hinwiesen, einen Antrag beim Sozialamt zu stellen. „Eine Stromsperre wäre unglücklich gewesen“, fügte Jürgen Haar an. Er dankte sowohl Christine Jourdan und ihren Kolleginnen im Amt für soziale Dienste als auch allen Organisationen und Firmen, die solche Notfälle zu vermeiden helfen, wie den Stadtwerken, der Baugenossenschaft, den Vereinigten Volksbanken und der Kreissparkasse, Iser-Autoglas und OB Dr. Bernd Vöhringer für seinen Einsatz an der Lidl-Kasse.

Die Ideen fürs laufende Jahr sind der Kauf von Stadt-Gutscheinen und 49-Euro-Tickets, um Bedürftigen das Leben zu erleichtern beziehungsweise ihnen eine Freude zu machen. Schon mit dem 9-Euo-Ticket jubelte ein Mann: „Jetzt kann ich nach Jahren mal wieder an den Bodensee fahren.“

Carmen Bühl, selbst aktiv im Sozialamt, erklärte, dass zurzeit jeder fünfte Mensch über 80 Jahre in Deutschland arm sei. Das bedeute nicht nur Mangel an Sicherheit, sondern keine Rücklagen für große Reparaturen, eine Brille oder medizinische Versorgung zu haben. Es bedeutet auch den Verlust an Kontakten. „Nachbarn in Not“ versucht, die Einsamkeit durch Besuche bei älteren Menschen anhand der sogenannten Seniorenliste, bei denen neben einem kleinen Geldgeschenk nach den aktuellen Umständen gefragt wird.

Zuschuss für eine neue Matratze

von Renate Lück

Auch wer sehr genügsam lebt, braucht ein Bett, in dem er gut schlafen kann. Gunter P., der schon mehrere Bandscheibenvorfälle erlitten hat, bat „Nachbarn in Not“ um einen Zuschuss für einen gebrauchten Lattenrost und eine ebensolche Matratze. Der 50-jährige lebt in einer Obdachlosenunterkunft und hat eine kleine Erwerbsminderungsrente. Vom Sozialamt bekommt er noch Hilfe zum Lebensunterhalt. Früher diente er beim Militär und leidet seitdem unter einer posttraumatischen Belastungsstörung, die durch verschiedene Schicksalsschläge in seiner Familie noch verschlimmert wurde.

Gunter P. ist froh über sein Zimmer, das mit einfachen Möbeln ausgestattet ist. Nur schlafen kann er nicht gut, der Lattenrost und die alte Matratze bereiten ihm jede Nacht Schmerzen. Deshalb bat er um einen Zuschuss, damit er geeigneten Ersatz erwerben kann. Beides will er, wenn möglich, gebraucht kaufen. „Nachbarn in Not“ sagte Hilfe zu.