Zweimal im Jahr werden bedürftige Seniorinnen und Senioren von „Nachbarn in Not“ besucht und erhalten ein kleines Geldgeschenk sowie einen Gutschein für Lebensmittel. In diesem Jahr standen 176 Namen auf der Liste, davon die von 100 Frauen, 16 Ehepaaren und 44 alleinstehenden Männern. Sie warten sehnsüchtig auf das Geld, damit sie sich in ihrem kärglichen Alltag etwas Besonderes leisten können.

Beispielsweise Cecil M.: Sie hat ihr ganzes Leben lang gearbeitet, zuerst als Musiklehrerin und Dozentin. Nach der Hochzeit folgte sie ihrem Mann in dessen Heimat. Aber die Ehe ging auseinander und sie zog den Sohn alleine groß. Geld verdiente sie zuerst mit Putzen und dann in verschiedenen Betrieben. Mit 60 Jahren ging sie in Frührente und betreute Kinder bei den Hausaufgaben. Als sie Kurse für das Zertifikat als Tagesmutter belegen wollte, merkte sie, dass ihre Hände zittern. Der Traum, mit Kindern zu spielen und zu musizieren, zerstob. Neben dem Parkinson leidet sie unter brennenden Schmerzen in Beinen und Füßen. Inzwischen ist sie froh, wenn sie ihren Haushalt einigermaßen hinbekommt.

Christian P. war einige Zeit selbstständiger Landschaftsgärtner und arbeitete dann in einer Stadtgärtnerei, bis seine Beine nicht mehr mitmachten. Er wurde zweimal operiert und muss regelmäßig zur Kontrolle, kann aber mit seinem Rollator einigermaßen gehen, wie er sagt. Manchmal rafft sich der 77-Jährige auf und läuft über die nahen Felder zum nächsten Ort. „Das dauert zwei Stunden und ist wie Gymnastik.“ Dafür möchte er sich vom Weihnachtsgeld ein schönes Trainingshandtuch kaufen – und eine neue Hose.

Erika B. lernte keinen Beruf, arbeitete aber in einer Strumpffabrik und in einer Tuchhandlung in Stuttgart und dann in einer Metallfabrik in Sindelfingen. „Man hat doch schaffen müssen, auch samstags“, sagt die 72-jährige. Eine Familie hat sie nicht. „Ich wollte als junge Frau schon, aber es hat sich nicht ergeben.“ Nun lebt sie in einer kleinen Wohnung von einer Rente nahe der Grundsicherung. Für Weihnachten kaufte sie sich dekorierte Tannenzweige im Supermarkt. Das Festessen wird ein Kotelett sein oder Fleischküchle. Ihr größter Wunsch ist eine warme Jacke. „Ich habe in meiner Sommerjacke so gefroren.“

Von Renate Lück

Wenn es gerade so reicht