„So weit ist Gechingen nicht weg. Und ich bin doch oft in Sindelfingen“, begründete Waltraud Lachenmaier am Telefon ihr Engagement für „Nachbarn in Not“.

Es ist eher ein innerer Draht, der sie den Kontakt nach Sindelfingen halten lässt. Die Stuttgarterin kam als Kind mit ihren Eltern nach Gechingen, den Heimatort ihrer Mutter. Der Vater arbeitete bei Elektro-Elsässer und organisierte die Montagearbeiten an allen großen Einsatzorten. Sie selbst arbeitete dann viele Jahre im Rathaus in Ehningen, nur unterbrochen durch die Geburten der beiden Söhne. Als sie die Arbeit wegen Krankheit aufgeben musste, unterstützte sie ihren Vater im Arbeitskreis Heimatgeschichte als Kassiererin und allem, was nötig war. Mit 88 Jahren hörte er auf. Da leitete sie fünf Jahre den Arbeitskreis. Unter anderem verfasste sie ein Buch mit Biografien von 42 Gechingern. „Der Pfarrer ist manchmal froh, dass er das Buch hat“, erzählt sie. Nun schafft sie an einem zweiten. Die Leseratte, die eigentlich Buchhändlerin werden wollte, hat immer einige Bücher vorrätig.

Schriftführerin beim Arbeitskreis ist noch. Wenn man länger zuhört, kommen viele weitere Aktivitäten dazu. Jede Woche besucht Waltraud Lachenmaier ihre Enkel in Sindelfingen und Böblingen. Sie reist gern in Hauptstädte, zuletzt nach Lissabon und Madrid. Sie ist Mitglied des Literaturkreises Weil der Stadt, den Anne Starzmann leitet, die für ihre Verdienste das Bundesverdienstkreuz am Bande bekommt. Ihr Vater erhielt übrigens die Landesehrennadel von Ministerpräsident Kretsch­mann für die Gechinger Ortschronik und ist Gechinger Ehrenbürger.

Bei allem Engagement vergisst sie nicht, dass ihre Kindheit anders verlief, als sich das ein junger Mensch wünscht. Deshalb habe sie ein Gefühl dafür, wenn es anderen Menschen schlecht geht. Seit etwa 25 Jahren hat sie die SZ/BZ abonniert und liest die Geschichten von „Nachbarn in Not“. „Manche Fälle berühren mich so, dass ich meine Spende erhöht habe. Das sollten viel mehr Leute machen“, überlegt sie. „Schließlich gibt man auch Geld für Unnützes aus und die Menschen kommen ja unverschuldet in solch prekäre Situationen. Wie schnell das manchmal geht!“ Doch ein bisschen Kritik muss auch sein: „Wenn ich lese, dass eine Matratze bezahlt wird, frage ich mich, warum sie nicht ein ganzes Bett bekommen.“

Wenn es anderen Menschen schlecht geht