Plötzlich zur Kur

Von Renate Lück

Gabriele M. hat immer in der Pflege gearbeitet, seit einigen Jahren in Teilzeit, weil sie ihre Mutter pflegen musste. Jetzt ist sie selbst kaputt und fährt zum ersten Mal in ihrem Leben zu einem Reha-Aufenthalt. Vor Schreck stellte sie fest, dass sie dafür keine passende Kleidung hat. „Nachbarn in Not“ half ein bisschen bei der Beschaffung.

Die mittlerweile 60-Jährige musste als Jugendliche gleich nach der Schule arbeiten gehen, weil zu Hause Schmalhans Küchenmeister war. Eine fundierte Ausbildung war so nicht möglich. Das, was heute Pflegehilfskräfte machen, lernte sie gleich in der Praxis, nämlich die Patienten waschen, Betten richten, Wunden verbinden, beim Essen unterstützen und zur Toilette begleiten. Als ihre eigene Mutter pflegebedürftig wurde, war ihr dies sehr nützlich.

Verdiente sie als ungelernte Kraft schon nicht viel, so wurde das Salär in Teilzeit so kümmerlich, dass sie aufstockend ALG II beziehen muss, um überhaupt leben zu können. Die körperliche Arbeit fällt ihr auch immer schwerer, sodass der Hausarzt eine Kur beantragte. So viel Zuwendung war Gabriele M. gar nicht gewöhnt. Und dass sie nun den Kittel in einen Bademantel tauschte, kam ihr fast merkwürdig vor. Auf jeden Fall wird sie nun erholter die Weihnachtsfeiertage erleben und das neue Jahr beginnen.

Weihnachten erholter erleben