Von Renate Lück

Claudia B. ist mit Albinismus aufgewachsen und wegen ihrer Einschränkungen beim Sehen etwas ängstlich, besonders, wenn es um ihre Kinder geht. Und dann wird sie von einem falschen Kammerjäger betrogen. „Nachbarn in Not“ sprang ein, damit sie diese missliche Situation bewältigt.

Bei Menschen mit Albinismus bearbeiten die beiden Gehirnhälften die gesehenen Bilder nicht so, wie es sich gehört. Das räumliche Sehen ist eingeschränkt. Claudia B. muss Schriftliches immer ganz dicht an die Nase halten, um es lesen zu können. Deshalb geht sie zur Diakonie, wenn sie Anträge oder andere wichtige Sachen bearbeiten muss. Denn ihr Mann ist gestorben, ihre Eltern geschieden und aus der Familie hilft sonst niemand.

Claudia B. kümmert sich um ihre Kinder sehr liebevoll, sagt die Sozialarbeiterin. Deshalb erschrak sie sehr, als sie in ihrer Wohnung Mäusekot entdeckte. Im Internet fand sie die Telefonnummer eines Kammerjägers und rief ihn an. Es kam sofort ein Mann, stellte drei Mäusefallen auf, legte Gift im Garten und stellte ihr eine horrende Rechnung. Als sie zögerte, setzte er sie unter Druck, sodass sie mit ihrer EC-Karte bezahlte. Daraufhin verschwand er ziemlich schnell.

Als Claudia B. sich von dem Schreck erholt hatte, rief sie ihre Bank an und wollte das Geld zurückbuchen lassen. Der Bankangestellte erklärte ihr aber, dass dies nicht mehr möglich sei. Dann rief sie die Firma des Kammerjägers an. Nach mehreren vergeblichen Versuchen meldete sich eine Frau, die versprach, mit dem Chef zu reden. Aber es tat sich nichts.

Da wurde Claudia B. mutig, ging zur Polizei und erstattete Anzeige. Doch das Geld ist erst einmal weg – das Geld, das die ALG II-Empfängerin für die bestellte Brille ihres Sohnes brauchte und für die nächste Miete. Der Vermieter gab sich kulant und stückelte den Betrag. Für die Brille gab „Nachbarn in Not“ einen Zuschuss.

Von falschem Kammerjäger betrogen