Von Renate Lück

„Hallo, ich habe an meinem 70. Geburtstag auf Geschenke verzichtet und 500 Euro für „Nachbarn in Not“ gesammelt. Wie gehe ich jetzt vor?“,schrieb Ingeborg Zarnetzki an Geschäftsführerin Biggi Haug. Der Frau konnte geholfen werden.

Die Schneiderin, die ihr Maßatelier altershalber nur noch zwei Tage in der Woche öffnet, aber fünf Nähkurse anbietet, will Bedürftige in der heimatlichen Umgebung unterstützen. „Hier wohne ich und man kennt die Leute gar nicht“, sagt sie. „Und die Geburtstagsgäste waren begeistert, keine Geschenke überlegen zu müssen. Schließlich hat man in meinem Alter alles, was man braucht.“ Selbst spendet sie sporadisch.

Sie hat viel Spaß mit ihren Nähschülerinnen, von denen jetzt allerdings die Älteste nicht kommen kann, weil sie sich nicht impfen lassen will. „Alle anderen sind durchgeimpft“, ist Zarnetzki froh. Sie nähen T-Shirts, Pullover, Hosen und Mäntel – ein grüner Walk-Mantel hängt gerade am Ständer – und probieren auch gegenseitig ihre Sachen an, um zu schauen, ob es ihnen steht. Dann bitten sie um den Schnitt. Die beiden Enkelkinder nähen auch schon mit, wobei der Bub sich mehr fürs Technische interessiert. „Er fädelt gern ein.“

„Es ist eine tolle Gemeinschaft“, sagt die Chefin. „Alle Vierteljahr setzen wir uns zu einem Frühstück zusammen und wenn eine Geburtstag hat, bringt sie Kuchen mit.“ Früher hätten sie auch Modenschauen in der Bibliothek gemacht. Ihr Sohn kam dann mit der Band und die Nähschülerinnen buken Kuchen. „Aber jetzt ist mir das zu aufwendig.“

Unterstützung für Bedürftige