Ein Kämpfer in Nöten

Von Renate Lück

Eine Stromnachzahlung brachte die Großfamilie B., die sonst gut mit ihrem Geld haushaltet, in Bedrängnis. Um eine Spende von „Nachbarn in Not“ zu erbitten, zögerte James B. (Name geändert) zuerst, weil er meinte, das Geld sollte eher kranken Menschen zugute kommen. Doch mit der Hilfe zahlt die Familie nun monatlich höhere Abschläge, um Nachforderungen zu vermeiden.

James B. kam nach Deutschland, als in seiner Heimat zu Beginn des Bosnienkriegs die jungen Männer eingezogen wurden. „Ich wollte nicht auf meine Nachbarn schießen“, sagt er. Zwei Jahre später erhielt er die unbefristete Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis. Als Maschinentechniker fand er schnell einen Job in der Industrie und absolvierte parallel dazu eine Ausbildung als Versicherungsvertreter. Die Griechenlandkrise beendete allerdings diese Selbstständigkeit und er ging wieder in die Autoindustrie. Nun wird seine Abteilung zum 1. Januar geschlossen und auch in seinen früheren Betrieben stehen Entlassungen an. „Aber ich bin ein Kämpfer“, macht sich der 45-Jährige selber Mut.

Das muss er auch. Inzwischen hat er nämlich sieben Kinder. „Das Jüngste war das erste Patenkind von Präsident Steinmeier“, erzählt er ein bisschen stolz. Seine Frau und er achten darauf, dass alle in der Schule und Ausbildung ihre Aufgaben gewissenhaft erledigen. Nur um den 5-Jährigen sorgen sie sich. Er bekommt nachts bis zu 20 epileptische Anfälle und dann muss Mutter oder Vater mit ihm wieder nach Tübingen. „Er darf mal keinen Führerschein machen“, schaut der Vater in die Zukunft. Wenn die Ärzte in Tübingen nicht weiterkommen, müssen sie in eine andere Klinik nach Freiburg oder Kehl.

Diese Fahrten schlagen neben den üblichen Ausgaben für Warmwasser und Heizung ziemlich zu Buche. Doch mit Hilfe von „Nachbarn in Not“ und der Sozialarbeiterin im Rathaus haben sie die Finanzen geregelt. Schlimm wäre, wenn seine Firma ihn ins Allgäu versetzen würde. „Wie soll ich das machen, wo doch alle Kinder in Schule und Lehrstellen sind?“ Außerdem hat der Vermieter angekündigt, die Wohnung zu verkaufen. Nun sucht James B. ein Haus mit Oma, die man betreuen könnte. „Wir hatten schon mal zwei Omis, die mit uns gegessen und mit den Kindern gespielt haben. Wir machen das gern.“

Sorgen um den Fünfjährigen