Aus der SZ/BZ vom 28.4.2018

Sindelfingen: „Nachbarn in Not“ wurde im letzten Jahr mit fast 200 000 Euro unterstützt/Dr. Roswitha Seidel bleibt weiter die Vorsitzende

Von Renate Lück und Jürgen Haar

Das Motto des diesjährigen Sindelfinger Neujahrsempfangs gilt auch für die Hilfsorganisation „Nachbarn in Not“. Der Verein hat Veränderungen geplant und bereits vorgenommen. „Auch wir gestalten den Wandel“, so die Vorsitzende Dr. Roswitha Seidel bei der Mitgliederversammlung.

Zu diesen Veränderungen gehören die Modernisierung des Logos, die Internetseite sowie ein neuer Facebook-Auftritt. Dabei halfen die Leddin-Werbeagentur mit frischen Ideen und der Gestaltung von Flyern, Karten und mehr. Markus Bengel gestaltete die neue Internetseite die Prof. Dr. Wolfgang Seidel weiterhin pflegt. Und Markus Döttling betreibt den Auftritt in Facebook, um noch mehr Menschen auf die Hilfsorganisation aufmerksam zu machen. Das neue Smiley macht sich auch gut als Keks, der beim Basar an Stammkunden verschenkt wurde. Große Roll-Ups lösen bald die Plakate ab. Roswitha Seidel dankte allen, die zum zeitgemäßen Auftritt und Aussehen des Vereins beitragen.

Viele Aktionen

Diese Arbeit lief natürlich neben dem Einsatz für die Bedürftigen. Insgesamt konnte im vergangenen Jahr 2.242 Mal auf verschiedene Weise geholfen werden, schlimmste Not zu lindern. Möglich machte dies ein Spendenbetrag von fast 200.000 Euro. Dies ist nicht ganz so viel wie 2016. Doch die Vorsitzende freut sich, dass die Zahl der Spender seit Bestehen des Vereins noch nie so groß war: 5,6 Prozent mehr als im Vorjahr. „Dies zeigt die Akzeptanz unserer Arbeit“, so Dr. Roswitha Seidel. Beeindruckend sind die vielen Aktionen und die Fantasie der Mitmenschen, Firmen und Vereine, für einen guten Zweck Spenden zu sammeln. Neben dem Weihnachtsbasar spenden zum Beispiel die Musiker der Sindelfinger Weihnachtssession jedes Jahr einen Beitrag an die Hilfsorganisaition. Seit 22 Jahren überweist die Stadt Sindelfingen Geld aus der Hummelstiftung. Spenden-Kästchen in der Löwen-Apotheke und vielen anderen Firmen erinnern die Kundschaft an Bedürftige in der Stadt. Seit 14 Jahren spendet die Firma Walker Weihnachtsbäume. Private Feste und runde Geburtstage sind nicht nur Anlässe zum Feiern, sondern auch zum Teilen. Und auch in Sportgruppen wird gesammelt. Für all dieses Mitdenken ist Roswitha Seidel dankbar, ebenso für das Engagement ihrer Mitarbeiterinnen und von Ernst Gießler, dem Finanzchef.

Mehr Obdachlosen-Pakete

Ein Lob geht auch an die Redaktion der Sindelfinger Zeitung/Böblinger Zeitung, die durch kontinuierliche Berichterstattung die Arbeit der Hilfsorgansiation unterstützt. „Ohne die SZ/BZ würde das so nicht funktionieren“, sagte Ernst Gießler. Und Dr- Roswitha Seidel würdigte explizit die kostenlosen SZ/BZ-Abos für bedürftige Menschen und das Erbsensuppe-Schöpfen der Redakteure auf dem Sindelfinger Weihnachtsmarkt. Seit 28 Jahren geht der Erlös dieser Aktion an „Nachbarn in Not“.

Geschäftsführerin Biggi Haug zählte neben den Gutschein-, Fahrkarten- und Weihnachtsaktionen sowie dem Seniorengeld 304 Einzelanträge, wovon 56 ein Elek­trogerät, zum Beispiel eine Waschmaschine, erbaten. „In der Summe hatten wir 20 Einzelanträge weniger, aber die Zahl der Obdachlosen-Pakete zu Weihnachten hat sich erhöht. Und im November erreichen uns immer öfter Anträge, um Stromrückstände oder Ölvorräte zu bewilligen.“ Biggi Haug schlauchen diese Schicksale immer wieder: „Es sind Einzelfälle – Gott sei Dank – aber Menschen, die meist unverschuldet in eine Notlage geraten. Jahrelang haben sie ins System eingezahlt und nun kann der Kauf einer Waschmaschine das Existenzminimum bedeuten“, so die Geschäftsführerin.

Viel Arbeit macht sich auch jedes Jahr die Basar-Gruppe. Dieses Mal stellte die Messeleitung beim Sindelfinger Weihnachtsbasar mehr Platz zur Verfügung, sodass Holzsachen, Strickwaren, Karten und Spielzeug schöner präsentiert werden konnten. Und die Stammkundschaft kam gleich in den ersten Tagen. Sonja Ehmann freute sich über 7.890 Euro Erlös, wozu der Rotary Club noch 5.500 Euro aus dem Losverkauf beisteuerte. Und Sonja Ehmann ist dankbar, dass so viele Helfer mitmachen, aus einer Familie schon drei Generationen.

Ein Dankeschön kommt auch von Hans-Georg Burr, dem Leiter des Amts für Soziales der Stadt Sindelfingen. „Wir sind dankbar für diese Unterstützung“, sagte Burr bei der Mitgliederversammlung. „Nachbarn in Not“ wird in den kommenden beiden Jahren von der bewährten Führungsmannschaft geleitet. Die Vorsitzende Dr. Roswitha Seidel, ihre Stellvertreterin Carmen Bühl und Finanzchef Ernst Gießler wurden ohne Gegenstimme wiedergewählt.

So viele Spender gab es noch nie