Von Renate Lück

Gabriela T. hat einen ziemlich schwarzen Humor, der ihr hilft, ihre Schmerzen und notwendigen Operationen wegzustecken. Mittlerweile geht es ihr so schlecht, dass sie in eine barrierefreie Wohnung umziehen musste, wobei „Nachbarn in Not“ behilflich war.

Die gelernte Schneiderin arbeitete früher in der Firma mit dem Stern in der Näherei und als Springerin in der Sattlerei und schließlich am Band. Dann heiratete sie und wurde schwanger. Ihr Baby war ein Problemkind und sie selbst musste nach der Risikoschwangerschaft oft ins Krankenhaus. Die Autowerkstatt ihres Mannes lief auch nicht so gut und wegen der Steuern gab er schließlich auf. Bald darauf trennten sie sich. Nach und nach schlichen sich altersbedingt chronische Krankheiten ein: Arthrose, Rheuma, Osteoporose.

Diese Schmerzen hätten eigentlich gereicht. Aber sie stürzte in der Wohnung und brach sich den Oberhalsschenkel. Als sie zur Reha fahren wollte, diagnostizierte ihr der Arzt Darmkrebs. „Jetzt mache ich erst das Bein fertig“, protestierte die 60-Jährige. „Ich kann mich ja nicht bücken, der 20 Zentimeter lange Nagel bleibt drin, bis ich eine neue Hüfte bekomme.“ Anschließend also die Operation im Bauch. Danach eröffnete ihr der Chirurg: „Nun sind sie eine Stoma-Patientin.“ Nun gut, auch das, sagte sich die geplagte Frau. Sie schluckte sogar, als er ihr nach einem Bruch am künstlichen Darmausgang sagte: „Sie sind eine tickende Zeitbombe. Der ganze Bauch ist so vernarbt. Wir können nicht mehr aufmachen.“

Nun bewegt sie sich mit einem Rollator vorwärts und hatte Glück, eine rollstuhlgerechte Wohnung im Betreuten Wohnen zu finden. Der Vormieter verkaufte ihr die Waschmaschine und den Trockner für 50 Euro und wollte für die Einbauküche eine Ablöse von 600 Euro. Das überstieg nun alles, was Gabriela T. mit ihrer Grundsicherung stemmen konnte. Zumal sie auch noch eine neue Schlafcouch und Winterkleidung brauchte. Bei den Einzelteilen halfen ihre Tochter und „Nachbarn in Not“. Für die Küche suchte die Sozialarbeiterin einen weiteren Fördertopf.

Schwarzer Humor gegen die Schmerzen