von Jürgen Wegner

„Klar hab ich noch Bock“, sagt Angelo Di Dio. Zwei Monate bleiben bis zum großen Finale. Dann hat der Magstadter ein Jahr lang Flaschen und Dosen aufgelesen und Pfand gesammelt, um bedürftigen Menschen ein Weihnachtsgeschenk zu machen.

Würde man das Leergut in Kisten stapeln – vorausgesetzt, man verwendet sogenannte Brunnenkästen mit einer Höhe von 30 Zentimetern und je einem Dutzend Flaschen –, dann hätten die 875 Kästen eine Höhe von 262,50 Metern. Das ist 46 Meter höher als der Fernsehturm. Und die 10 500 Flaschen hätten ein Fassungsvermögen von 7350 Litern. Damit könnte man den Durst eines Menschen zehn Jahre lang stillen.

Der Böblinger Feuerwehrmann Tobias Wankmüller (links) bringt seinem Magstadter Kameraden Angelo Di Dio Nachschub. Werner Groll gehört zu den Mitstreitern, die die Sammelaktion unterstützen und ihr Leergut vorbeibringen. Bilder: z PodcastBB Kostenlos hören kann man die Podcast-Folge von „Willi und Dödel“ mit Angelo Di Dio auch heute noch. Aufgenommen wurde sie im Februar,danach nahm die Pfandaktion noch einmal deutlich Fahrt auf. Folge 24 mit dem Titel „Der Magstadter Flaschengast“ gibt es auf Podcastbb.de, Deezer, Spotify und weiteren Streaming-Diensten.

Da kommt eine Menge Pfandgeld zusammen.Genau 2750Euro sind es, dieStand heute an bedürftige Familien gehen. Zum Ende des Jahres könnte der 51-jährige Feuerwehrmann sein Ziel fast verzehnfacht haben, denn ein Euro pro Tag sollten es ursprünglich sein, weil das Geld auf der Straße liegt. Achtlos weggeworfene Pfandflaschen und Dosen gibt es genug. Dass er aber so viele Mitstreiter findet, die säcke- oder gar anhängerweise Flaschen und Dosen ankarren, um die Aktion zu unterstützen, damit hatte er nicht gerechnet. Auf diese Hilfe setzt Angelo Di Dio weiterhin, damit der Betrag am Ende möglichst groß wird.

Alles paletti Im Endspurt geht dem Magstadter die Luft nicht aus: „Wenn ich mir etwas vorgenommen habe, dann ziehe ich das durch.“ Es ist eine Herzenssache, insgesamt habe es ihm selten an Motivation gefehlt. Eine Woche war Pause wegen Urlaub und es kam vor, „dass ich samstagabends eigentlich etwas anderes vor hatte, als eine Kiste wegzubringen“. Aber sonst: alles paletti.

Am 15. Dezember ist Schluss für dieses Jahr und Kassensturz. „Ich werde den Betrag unter drei Familien aufteilen“, sagt Angelo Di Dio, der Kontakt zum Verein „Nachbarn in Not“ aufgenommen hat. Und dann – kommt die große Leere nach dem Kraftakt mit dem Leergut? „Nein, ich mache weiter. Nicht mehr so offensiv, aber es geht ja um die Sache“, sagt Angelo Di Dio, der es immer noch nicht fassen kann, wenn Menschen die Gegend verschandeln und den Pfandwert nicht schätzen. Regionale Unterschiede macht der Fußballtrainer nicht aus, der zu dieser Saison den Bezirk gewechselt hat und jetzt Botnang trainiert. Angelo Di Dio: „Es ist überall dasselbe.“-

Schon höher als der Fernsehturm