Von Renate Lück

Nachdem Simon P. alle seine Bezugspersonen verloren hatte, blieb ihm nur sein Hund. Und der musste wegen einer Entzündung ins Tierheim und kommt erst wieder zurück, wenn sein Herrchen und die Wohnung wieder in ordentlichem Zustand sind. Das Sozialamt bat um Hilfe und „Nachbarn in Not“ konnte auch in dieser Situation helfen.

Simon P. wuchs bis zu seinem zwölften Lebensjahr bei den Großeltern auf. Seine Oma war für ihn die erste Mutter. Erst als der Opa starb und die Kräfte der Oma nachließen, nahm ihn seine leibliche Mutter auf und sie begannen, sich kennenzulernen. Es fiel dem Jungen schwer, doch zurück zur Oma konnte er nicht, da auch sie bald das Zeitliche segnete. Peu à peu bauten Mutter und Sohn eine Beziehung auf und Simon ließ sich zum Metzger ausbilden. Nach der Lehre zog er zu seiner Freundin in Niedersachsen, konnte dort aber nicht richtig Fuß fassen und kehrte nach einer Weile wieder zurück.

Noch ein Schicksalsschlag

Er fand eine Wohnung in der Nähe seiner Mutter, und sie kümmerte sich um ihn. Sie passte auf, dass er seine Sachen in Ordnung hielt, und half ihm bei Schwierigkeiten. Sein Vertrauter wurde ihm auch sein Hund. Der nächste Schlag kam, als seine Mutter bei einer Autofahrt eine Hirnblutung erlitt und dadurch einen Unfall verursachte. Sie starb noch an der Unfallstelle.

Simon P. war drauf und dran, auch seinem eigenen Leben ein Ende zu machen. Aber da war ja noch jemand, für den er sorgen musste. Doch sonst machte er nichts mehr. Ohne Arbeit und ohne Familie verkroch er sich in seiner Wohnung, säuberte weder sich noch seine Sachen und lebte mit der Angst, dass dies jemand entdecken könnte.

Das passierte dann auch. Da der Hund krank war, wurde das Veterinäramt eingeschaltet, das ihn dem Tierheim übergab. Dort wurde er behandelt und geheilt, kommt aber erst wieder zurück, wenn die Wohnung aufgeräumt und sauber ist. Simon P. begann, aufzuräumen und zu putzen, denn er wollte unbedingt seinen Freund wiederhaben. Er machte auch die Erfahrung, dass er in geduschtem Zustand und mit sauberer Kleidung wieder unter die Leute gehen konnte. Im Secondhand-Handel erwarb er ein Telefon, sodass er nun auch erreichbar ist.

Die ganze Aktion war aber teuer. Simon P. muss ans Tierheim einen Betrag bezahlen, den er von seinen Leistungen vom Jobcenter nicht aufbringen kann. Da er wegen epileptischer Anfälle schon zweimal die Schulter operieren lassen musste, kann er nicht mehr schwer heben und findet keine Arbeitsstelle. Einen Führerschein hat er auch nicht. Nachdem er nun auf einem guten Weg ist, bittet die Sozialarbeiterin um einen Vorschuss, den er nach und nach zurückzahlen will.

Ohne Arbeit und ohne Familie