Manchmal ist es nicht zu fassen: Nach einem Leben voller Arbeit und Mühen reicht es dem 64-jährigen Klaus V. nicht einmal zu einer neuen Brille.

Lange Zeit arbeitete Klaus V. als Arbeiter bei der Firma Daimler an den Maschinen. Doch eines Tages erfüllte er sich einen Traum und machte sich zusammen mit seinem Sohn selbstständig. Sie betrieben eine Gebäudereinigungsfirma, die viele Jahre gut lief. Doch plötzlich brach die Katastrophe über sie herein. Der Sohn hatte hinter dem Rücken seines Vaters Gelder veruntreut und die Sozialversicherungsbeiträge für die Angestellten nicht richtig abgeführt. Es kam zum Gerichtsverfahren, das mit dem Aus der Firma endete. Auch die Familie brach auseinander, denn das gegenseitige Vertrauen war nachhaltig gestört. Seit ihn einige Zeit später auch noch seine Frau verließ, wohnt Klaus V. allein in einer kleinen Wohnung und hat nur noch Kontakt zu seiner erwachsenen Tochter, die ihn regelmäßig besucht. Seinen Lebensunterhalt bestreitet er von einer geringen Erwerbsminderungsrente und ergänzender Sozialhilfe. „Er lebt ganz bescheiden und braucht nicht viel“, sagt die Sozialarbeiterin, die ihn durch das Labyrinth der nötigen Anträge begleitete. „Trotz aller Schicksalschläge ist er ein sehr höflicher und netter Mensch.“

Doch gesundheitlich geht es Klaus V. nicht gut. Vor drei Jahren hatte er einen Arbeitsunfall, bei dessen Behandlung ein Hirntumor festgestellt wurde. Der kann nicht operiert, sondern nur durch Medikamente eingedämmt werden, was viele Nebenwirkungen und Beeinträchtigungen mit sich bringt, wie massive Konzentrationsschwächen und Gedächtnisverlust. Außerdem leidet er unter starkem Rheuma. Und jetzt werden auch die Augen schlechter und Klaus V. kann sich nicht einmal die Brille eines Billiganbieters leisten, denn Rücklagen hat er keine mehr. Da blieb der Sozialarbeiterin nur die Bitte an „Nachbarn in Not“.

Von Renate Lück

Nicht einmal Geld für eine Brille