Dr. Gudrun Altvater-Fuchs ist eine treue Unterstützerin von „Nachbarn in Not“. Doch in die Zeitung wollte sie eigentlich nicht. „Ich spende doch nur homöopathische Beträge.“

Die Ärztin, die ihre Praxis in Maichingen hatte und einen Teil von Magstadt mit versorgte, begann an die Hilfsorganisation zu überweisen, als sie bei ihren Hausbesuchen viel Elend und Einsamkeit bei alten Leuten und finanzielle Not bei Kindern sah. „Die alten Menschen konnten sich kaum noch selbst versorgen, doch außer der Ärztin sollte niemand die Misere sehen.“ Vor allem bei den Wochenend-Notdiensten, bei denen sie auch HNO- und Nervenärzte sowie Gynäkologen vertreten musste, kam sie weit herum und musste sich auch mit Menschen anderer Kulturen auseinandersetzen. „Das war manchmal schwierig.“ Nervig empfand sie aber auch Deutsche, die mit fertigen Diagnosen und Forderungen für bestimmte Behandlungen und Medikamente in die Praxis kamen und sich aufregten, wenn sie warten mussten. „Als Allgemeinärztin ist man zuständig für alles von Husten, Schnupfen, Heiserkeit bis Eheproblemen. Da kamen manchmal 60 bis 70 Leute pro Tag und ich musste in fünf Minuten herausfinden, ob es eine ernste Krankheit ist“, beschreibt sie die tägliche Situation. „Es waren Stoßzeiten wie am Stuttgarter Hauptbahnhof; deshalb klappten die Termine manchmal nicht.“

Ein Quallen-Biss führte tatsächlich zu einer Ehe. Das fiel ihr auf, als der Patient beim Verbandswechsel immer von derselben Sprechstundenhelferin bedient werden wollte. Niederdrückend empfand sie Anrufe zu Autounfällen oder Selbstmördern und mulmig wurde ihr, wenn sie tobenden Betrunkenen in der Polizei-Arrestzelle eine Beruhigungsspritze geben sollte. Aber der Beruf hat ihr trotzdem Spaß immer gemacht, weshalb sie auch im Ruhestand noch für Notdienste einsprang. „Wenn man den Beruf gern hat, ist man den Menschen zugeneigt und möchte, dass es ihnen gut geht. Es ist ein angeborenes Helfersyndrom; das verliert man nicht.“ Dass ihre Spenden hier im Umkreis ankommen bei Menschen, die sich nicht selbst helfen können, findet Dr. Alvater-Fuchs gut. „Und mir tut es nicht weh.“

Leid, Einsamkeit und finanzielle Not