Von Renate Lück

Zweimal im Jahr bekommen Bedürftige der sogenannten Seniorenliste eine kleine Spende von „Nachbarn in Not“. Biggi Haug, die Geschäftsführerin der Hilfsorganisation, und ihr Sohn Patrick waren diesmal unterwegs und verteilten die Sommer-Spenden.

Der 18-Jährige war das erste Mal dabei. Das haben er und seine Mutter erlebt und erfahren: Ein Mann im betreuten Wohnen öffnete uns nach längerer Wartezeit die Tür. Seine Beine sahen schlimm aus. Offene Wunden, die einfach nicht verheilen. Er kann kaum noch laufen, aber er weigert sich, einen Rollstuhl zu benutzen, da er so lange wie möglich laufen möchte. 

Überrascht hat uns eine 95-Jährige. Sie sah fit aus, jammerte überhaupt nicht, obwohl sie wirklich in sehr bescheidenen Verhältnissen lebt und auch nicht mehr gut zu Fuß ist. Einkaufen geht sie nicht mehr – dies macht ein Enkel „für Geld“. 

Nachdenklich hat Patrick vor allem eine Frau mit ihrer Geschichte gemacht. Sie hat zwei erwachsene Töchter. Die eine lebt in den USA und kann sich deshalb nicht um ihre Mutter kümmern. Die andere ist alkoholabhängig und hat einen 16-jährigen Sohn, der seit zwei Jahren straffällig ist. Drogen sind auch kein Fremdwort für ihn. Neben allen gesundheitlichen Einschränkungen, die die Seniorin hat, kommt auch noch der Kummer um ihre Familie.

Schlimm war auch der Besuch bei einer Frau, bei der die Außenfassade des Mehrfamilienhaus renoviert wird. Wegen des Lärms und Staubs kann man die Fenster nicht aufmachen. Einen Balkon hat sie nicht. Das geht jetzt schon seit zwei Monaten so und ein Ende wurde noch nicht mitgeteilt. 

In bescheidenen Verhältnissen

Patrick Haug hat bei dieser Ausfahrt das erste Mal eine Seniorin mit Parkinson erlebt. Sie zitterte die ganze Zeit. Früher war sie Musiklehrerin, Musik war ihr Leben. Aber dies kann sie nun gar nicht mehr genießen. Sehr mitgenommen hat ihn ein Senior, der schon jahrelang an einer Lungenkrankheit leidet. Er wohnt in sehr bescheidenen Verhältnissen, hat kein Bett, sondern schläft auf dem Sofa. Jetzt bekam er die Diagnose Krebs, der schon gestreut hat. Er hat niemanden. Der Sozialdienst schaut jeden Tag nach ihm, aber sein täglicher Ansprechpartner ist der Fernseher.

„Wir haben an alle Senioren Mundschutzmasken verteilt, über die sie sich sehr gefreut haben. Das war eine sehr gute Idee unserer Vorsitzenden“, berichtet Biggi Haug. „Das Leben ist schön, aber leider nicht immer. Man arbeitet sein Leben lang und kann das arbeitsfreie, verdiente Leben dann nicht genießen. Sehr schlimm ist die Einsamkeit im Alter“, fasst Patrick Haug seine Eindrücke zusammen. 

Das Fazit von Biggi Haug: „Jeder junge Mensch sollte mal die Erfahrung machen, wie das Leben im Alter aussehen kann. Senioren werden leider manchmal als Menschen 2. Klasse behandelt, dabei kann uns das Schicksal genauso treffen!“

Kleine Spenden für bedürftige Senioren