Aus der SZ/BZ vom 4.3.2017

Laut Sozialarbeiterinnen kommt es öfter vor, dass psychisch Kranke nicht in der Lage sind, Anträge zu stellen, um Ihnen zustehendes Geld zu erhalten. So auch bei Friederike P.

Die junge Mutter ist durch Stress im Beruf und Streit mit ihrem Mann so krank geworden, dass sie nicht mehr zur Arbeit gehen konnte und sich auch von ihrem Partner getrennt hat. In einer Tagesklinik versuchte man, sie wieder auf die Beine zu kriegen. Ihr kleiner Sohn besuchte derweil den Kindergarten. Dort bekam er auch Mittagessen. Da ihre Finanzen sehr begrenzt sind, hätte das Jugendamt in der Übergangszeit zum Krankengeld die Kosten fürs Essen und die Nachmittagsbetreuung übernehmen können, wenn sie die entsprechenden Anträge gestellt hätte. Oder sie hätte Gutscheine beim Jobcenter erbitten müssen. Doch das alles überforderte sie in diesem Zustand. Die Sozialarbeiterin in der Tagesklinik unterstützte sie darin, Wohngeld zu beantragen. Wenn das klappt, bekommt sie auch vom Jugendamt Unterstützung für die Kinderbetreuung. Doch das dauert.

Inzwischen liefen unbezahlte Rechnungen samt Säumniszuschlägen auf, verbunden mit der Drohung auf Vollstreckungsmaßnahmen, die weitere Kosten verursachen, wenn sie nicht binnen einer Woche den Gesamtbetrag bezahlt. Außerdem dürfte das Kind nicht mehr in den Kindergarten. Für Friederike P. eine Katastrophe. Wohin sollte sie mit dem Kleinen hin, während sie in der Klinik ist? Da die Ämter aber auch nicht rückwirkend bezahlen, schrieb die Sozialarbeiterin in der Schuldnerberatung ein Hilfeersuchen an „Nachbarn in Not“ und bat um die einmalige Übernahme der ausstehenden Beträge in der Hoffnung, dass danach das Jugendamt zahlt und der Bub weiter in den Kindergarten darf.

Kein Geld – kein Kindergarten