Oft folgt ein Dilemma aufs andere. Simone B. ist krank, arbeitslos, geschieden und hat nicht einmal Geld für einen Personalausweis.

Wegen Missbildungen der Hirngefäße musste sie vor viereinhalb Jahren operiert werden. Doch seitdem leidet sie unter starken Einschränkungen des Sprachzentrums und auch die Sehnerven sind beschädigt, und zwar so kaputt, dass sie nicht mehr arbeiten kann. Sie musste ihre Änderungsschneiderei aufgeben und wegen der daraus entstandenen Verbindlichkeiten Privatinsolvenz anmelden. Mitten in dieser Misere verließ sie ihr Mann. Da auch ihre Kinder schon aus dem Haus sind, war sie gezwungen, sich eine kleine Wohnung zu besorgen, in der sie nun allein lebt. Für die Kaution dieses Einzimmerappartements zahlt sie beim Jobcenter ein Darlehen von monatlich 20 Euro ab.

Bei dieser Behörde landete sie, nachdem ihr Mann den Trennungsunterhalt so verringerte, dass sie auf Arbeitslosengeld II angewiesen ist. Allerdings ist sie noch nicht so lange dabei, dass sie eine Zuzahlung für ihre Medikamente bekäme. Also kaufte sie keine Arzneimittel. Die sie betreuende Sozialarbeiterin beantragte deshalb bei „Nachbarn in Not“ einen Betrag für die Rezeptgebühren, die im Jahr 2016 anfielen, und den Eigenanteil für 2017 für chronisch kranke Hartz-IV-Bezieher.

Ja, und außerdem ist ihr Personalausweis seit Längerem abgelaufen. Das biometrische Bild und die Ausstellung eines neuen Ausweises kosten eigentlich nicht viel. Aber wenn man schon mit allem knapsen muss, kleckern sich die Beträge zusammen.

Kein Geld für einen Personalausweis