Dr. Roswitha Seidel

J a h r e s b e r i c h t    über das Jahr 2 0 1 9

   Nachhaltigkeit

Man spricht so viel über Nachhaltigkeit. Beim Erstellen meines Berichts fiel mir auf, dass dieser Begriff auch auf NIN zutreffen sollte. Ich stellte mir die Frage, wie nachhaltig ist unsere Hilfe? Ich meine sehr: Die Antwort geben wir uns selbst mit unserem Motto „Hilfe zur Selbsthilfe“. Dies muss bedeuten, jemanden zu ertüchtigen in Zukunft für sich das Richtige selbst tun können, die Wirksamkeit durch unseren Betrag soll man als Anschub betrachten. Insofern ist unser Verein geradezu ein Musterbeispiel in Sachen Nachhaltigkeit.

Werfen wir nun jedoch unseren Blick weg von der Theorie auf die Praxis, nämlich auf unsere Zahlen. Wir haben in 2019 insgesamt wieder 2.013 Mal mit all den uns zur Verfügung stehenden Möglichkeiten dabei geholfen, dass Menschen ihr Leben selbständig(er) leben können. Dafür stand uns ein Spendenaufkommen von 215.661,60 Euro zur Verfügung.

Dieser Betrag bedeutet zwar einen Rückgang der reinen Spenden im Vergleich zum Rekord des Vorjahres um 8,3% — bei gleichzeitigem Rückgang der Spenderzahl um 6,2%.

Trotzdem darf keine Trauer aufkommen, denn wir konnten seit Beginn unserer Hilfsorganisation knapp 4,5 Mio. an sozial Benachteiligte weitergeben. Dass wir so vielen Menschen ein Stück in Richtung zu Normalität und Sicherheit verhelfen konnten, bestärkt uns alle in unserem Engagement für die vielen Betroffenen!

Der Dezember brachte uns wie schon seit Jahren ein Spendenhoch und ist damit der einträglichste Monat des Jahres. In diesem Monat wurden, wie jedes Jahr, in der Zeitung zweimal pro Woche Fälle aus unserer Klientel vorgestellt: Renate Lück schilderte in ihren Zeitungsartikeln wie immer sehr einfühlsam die jeweilige Problematik – wobei dies bei weitem nicht die traurigsten Fälle waren. Erfahrungsgemäß stimmen viele Personen einer Veröffentlichung in der Zeitung nicht zu, selbst wenn ihre Problematik stark verfremdet würde. Sie haben Angst, erkannt zu werden. Schade, denn genau diese traurigen Fälle würden am meisten Spenden einbringen.

Das neue NIN-Logo, das inzwischen fast täglich und unübersehbar in der Zeitung erscheint, lässt den Leser an unseren Verein erinnern. Dafür sind wir sehr dankbar.

Schwerpunkte unserer Hilfsmöglichkeiten

Wie jedes Jahr wurden von den Ämtern für die Bedürftigen Gegenstände des täglichen Lebens erbeten – alles Dinge, die für die meisten Menschen selbstverständlich erscheinen.

Es gibt bei den Anfragen an uns aber auch immer wieder Schicksale, die uns wirklich stark berühren. “Welcher unserer Fälle machte uns am meisten betroffen“ habe ich bei meiner Recherche im engeren Kreis unseres Teams gefragt: Es war wohl der Fall einer arrangierten Ehe. Dabei zeigte sich, dass selbst die Sozialarbeiter, die doch täglich mit gravierenden Schicksalsschlägen konfrontiert werden, für diese Frau dringend um Hilfe baten. Renate Lück schrieb in einem ihrer Artikel vor Weihnachten: “Frau N. stammt aus der Türkei und arbeitete als Lehrerin…Als sie im heiratsfähigen Alter war, arrangierten ihre wohlhabenden Eltern die Ehe mit einem Landsmann, der hier in einer Kreisgemeinde ein Restaurant hatte. Fatalerweise nahm dieser einen hohen Kredit auf ihren Namen auf, wurde jedoch bald gewalttätig und betrog sie schließlich. Nach der Scheidung saß sie auf einem Schuldenberg und musste Privatinsolvenz anmelden. Zahlreiche Erkrankungen kamen bei der Frau dazu. Selbst eine billige Wohnung und Kleidung waren fast nicht mehr für sie erschwinglich“– soweit Renate Lück. NIN half, damit sie über das Schlimmste hinwegkommen konnte…

Solche Schicksale berühren – und wir sind froh, auf materieller Seite helfen zu können, damit diese Menschen eine faire Chance haben, wieder Fuß zu fassen und somit Teil unserer Gesellschaft zu sein.

    Anlässe, Aktionen, Ideen zum Spenden

Gerne berichte ich jedes Jahr über die Vielzahl von Ideen, die für den guten Zweck geboren werden: Sicher auch eine Freude für jeden, durch seinen Beitrag ein Stück Hilfe für Menschen zu leisten, denen es schlechter geht.

Anlässe sind immer wieder die gleichen, nämlich Geburtstage: hier möchte ich Carmen Bühls Ehrentag hervorheben, an dem durch Spenden ihrer Freunde ein beachtlicher Betrag zusammenkam. Außerdem ließen sechs andere Geburtstage Geld in die Kasse fließen. Es ist schön, wenn Menschen zu solchen Anlässen an andere denken und die Gäste spenden lassen.

Angehörige von fünf Verstorbenen erbaten statt Blumen Geld für NIN.

Aktivitäten:  Jahr für Jahr spenden Vereine und Firmen. Außerdem beleben die verschiedensten Aktionen das Spektrum der Einnahmen:

Die Firma Ahr vor allem und die Firma Iser überraschen uns beispielsweise immer wieder mit großen Beträgen. Markus und Nikol Döttling möchte ich hier besonders erwähnen: sie spendeten Geldboxen, die durchsichtig waren – damit der Inhalt gut sichtbar wird – und brachten sie zu vielen Geschäften, damit Kunden einen Obolus entrichten. Eine dieser Boxen stellten sie im eigenen Geschäft auf. Danke hierfür.

Des Weiteren ist die Weihnachtssession mit einem Beitrag vertreten, ebenso auch die Hanke Brothers anlässlich der Biennale im letzten Jahr.

Das jährliche Erbseneintopfessen beim Weihnachtsmarkt muss natürlich genannt werden, dann der ebenfalls traditionelle Weihnachtsbaumverkauf bei der Fa. Walker, und besonders der Wintermarkt in der Messehalle – unser Basar, ausgestattet von unseren unermüdlichen fleißigen Bastelfrauen. Diesem schließen sich auch die Rotarier mit einer zünftigen Tombola zu Gunsten von NIN an — und viele Aktivitäten mehr. Einige dieser dankenswerten Ereignisse habe ich in früheren Jahren schon erwähnt, doch ist eine wiederholte Nennung durchaus berechtigt. Bravo!

So gibt uns auch die Stadt seit 1994 einen Betrag aus der Hummelstiftung und unser OB ruft seit vielen Jahren vor Weihnachten zu Spenden für Nachbarn in Not auf.

“Ein Hammer“ war zudem eine Auktion, die über die SZ/BZ lief:

Manfred Hämmerle, Chef der Kultgaststätte “Mannes Bierstadel“, stellte uns ein handsigniertes Trikot der Vize-Europameister 2008 zur Verfügung“. Die SZ versteigerte es und brachte letztendlich für NIN 1111,11 Euro ein. Ein Extradank dafür an Manfred Hämmerle und die SZ/BZ.

Schließlich bekamen wir erneut ein Erbe in Aussicht gestellt.

Mein Dank für unsere gute Zusammenarbeit

Es ist mir an der Stelle immer ein Anliegen, dem ganzen NIN-Team zu danken: Jeder ist wichtig in seiner Funktion bei der gemeinsamen Arbeit für all die Nachbarn, denen wir in ihrer Not helfen, jeder weiß selbst, was er für unseren Verein leistet:

  • Nicht wegzudenken ist unsere Geschäftsführerin Biggi Haug. Sie ist und bleibt unser wahres Goldstück!
  • Renate Lück habe ich im Bericht schon genannt. Sie schildert mit großer Empathie die vielen Fälle für die SZ/BZ.
  • Carmen Bühl, ist bekanntlich meine Vertreterin, auch Beraterin und mit zuständig für die Anträge und Vergabe von Beträgen an die Betroffenen. Besonders gewissenhaft und beschäftigt ist sie mit den alljährlichen, zahlreichen Weihnachtswünschen.
  • Doris Martini ist eine große Unterstützung für Biggi Haug, da sie nicht nur Ansprechpartnerin in Bankangelegenheiten ist, sondern auch alle Spendenbescheinigungen ausstellt, die Hans-Jürgen Pöss dankenswerterweise dann persönlich ausfährt.
  • Markus und Nikol Döttling sind auch stets engagiert für den Verein, wie ich auch schon im Bericht erwähnt habe.
  • Joachim Gießler danke ich sehr, dass er uns für das ganze Jahr als kommissarischer Finanzchef zur Verfügung stand. Ebenso danke ich ihm für sein Angebot, dem Verein mit Rat und Tat jederzeit zur Seite zu stehen.
  • Jürgen Haar, Chefredakteur der SZ/BZ, ist Freund und auch Berater für mich und zuständig für die Präsenz von NIN in der SZ, wofür ich besonders dankbar bin.
  • Und schließlich ist Christine Jourdan, vom hiesigen Sozialamt, immer bei Fragen und Belangen unsere erfahrene Ansprechpartnerin, auch wenn Not am Mann ist, z. B. während unserer Ferien.

Zum Schluss komme ich nochmal auf die Nachhaltigkeit zurück:

Ob nun eine Unterstützung durch NIN tatsächlich nachhaltig ist, hängt vom Einzelnen ab: von der Persönlichkeit, von der Veranlagung und vom unbedingten Willen. Wir bemühen uns um einen ganz gezielten Anschub. Was aus der Zukunft des Einzelnen wird, steht nicht in unserer Macht, doch können wir uns immer wieder über dankbare Rückmeldungen freuen.

A. Jahresbericht der Vorsitzenden