Gerda L., die von Grundsicherung lebt, lud ihre syrischen Nachbarn zum Weihnachtsessen ein und machte ihnen und sich selbst damit eine Riesenfreude.

Ihr halbes Leben arbeitete die 63-Jährige vormittags in der Kantine eines Industrieunternehmens und betrieb am Nachmittag und Abend ihre eigene Gaststätte. Ihr Mann erledigte für sie die Buchführung. Sie verdienten gut und kauften eines Tages ein Haus. Ins Grundbuch ließ ihr Mann allerdings nur seinen Namen eintragen, was nach einigen Katastrophen in der Familie dazu führte, dass nun er drin wohnt und Gerda L. in äußerst bescheidenen Verhältnissen lebt. Ihr Rücken ist durch einige Bandscheibenvorfälle kaputt, weshalb sie nur mühsam laufen kann. Von ihrem wenigen Geld gehen außer den Fixkosten noch Beträge für die Physiotherapie und Medikamente weg, die die Kasse nicht bezahlt, sodass sie mit einem Minimum auskommen muss. „Ich war so verzweifelt, das ich mich umbringen wollte“, erzählt sie. Ein Sozialarbeiter redete dann stundenlang mit ihr und machte sie auf „Nachbarn in Not“ aufmerksam. Aktuell bat er um Begleichung der jährlichen Zuzahlung an die Krankenkasse, was bei „Nachbarn in Not“ eine häufige Bitte ist.

Nun steht Gerda L. auf der sogenannten Seniorenliste. Von der jährlichen Spende erstand sie eine heruntergesetzte Matratze, weil ihre nicht mehr gut war. Und vom Weihnachtsgutschein kaufte sie einen „riesigen Karpfen“, der einen Tag vor Heilig Abend von 16,90 auf 7,90 Euro reduziert war. „Den habe ich zubereitet und die syrische Flüchtlingsfamilie, die für mich einkaufen geht, eingeladen. Ich habe geweint vor Freude, dass ich mir dies leisten kann.“ Und sie fügt noch hinzu: „Sagen Sie denen, die das in die Wege geleitet haben, ganz großen Dank. Denn es hilft nicht nur finanziell, sondern auch psychisch, wenn alle Stricke reißen.“

Aus der SZ/BZ vom 14.2.2018; von Renate Lück

Ich habe geweint vor Freude