Titel

Von Renate Lück

Wie es blöd laufen kann: Krankheiten, die sie nicht mehr arbeiten lassen, und Zwangsversteigerung des Hauses, das Gloria B. gern behalten hätte. „Nachbarn in Not“ half, damit sie aus der Depression herauskommt.

Gloria B. leidet seit 23 Jahren unter so starkem Rheuma, dass die Gelenke schon alle verformt sind, die rechte Hand ist ganz versteift. In den Knien und Hüften hat sie künstliche Gelenke, die mittlerweile verkalken. „Ich muss aufpassen, dass ich mir da nichts breche“, sagt die 58-Jährige, die einen Schwerbehindertenausweis mit B für Begleitperson hat. Dazu kam vor acht Jahren eine bösartige Lymphknotengeschwulst, sodass sie aufhören musste zu arbeiten. „Ich habe einige Male versucht, mich zu bewerben. Aber wenn die Arbeitgeber meine Hände sehen, ist es vorbei.“

Dabei ist sie stolz darauf, 16 Jahre bei IBM in der Telefonannahme beschäftigt gewesen zu sein. Die Kolleginnen rufen sie immer noch an, besonders wenn es eins ihrer Lieblingsgerichte gibt. Dann laden sie sie zum Mittagessen und auf einen Kaffee ein und Gloria B. lässt sich mit dem Bus bis vor die Türe fahren.

Die andere Katastrophe war der Bruch ihrer Beziehung. Sie hatte zusammen mit ihrem Partner ein Haus gekauft, aber die Finanzen zu ihren Ungunsten festgeschrieben. Also hatte sie nach der Trennung alle Schulden zu tragen. Da sie seit 2009 von Erwerbsminderungsrente lebt und für ihre Medikamente hohe Zuzahlungskosten hat, konnte sie den Betrag nicht tilgen und ging in ein Insolvenzverfahren. „Ich habe vor der Zwangsräumung die Nachbarn gucken lassen, was sie brauchen können, und dafür etwas Geld bekommen. So konnte ich den Kollegen, die mich mit einem Sprinter abholten, wenigstens ein Frühstück richten“, erzählt die freundliche Frau.

Aber die ganzen Aufregungen machten sie so depressiv, dass sie sich in Behandlung begeben musste. Nun wohnt sie in einer kleinen Wohnung, hilft ehrenamtlich in einem Diakonie-Laden und kümmert sich um ihre 80-jährige Mutter. Für den Zuschuss von „Nachbarn in Not“ ist sie sehr dankbar und freut sich gerade über einen Ausflug, den ihre Schwester organisiert.

Große Hilfe in einer schwierigen Zeit