Er dachte, es sei der Stress bei der Arbeit. Aber es war eine beginnende Multiple Sklerose. Und damit änderte sich sein ganzes Leben.

Michael B. ist gelernter Koch und arbeitete als Küchenleiter in einem großen Cateringbetrieb. Das hieß, je nach Bedarf von sechs oder sieben Uhr früh bis 22 oder 23 Uhr abends. Seine Kinder sahen ihn nur, wenn sie ihn am Tage in einer freien Stunde besuchten, sonst sah er sie nur im Bett. Als die Symptome als MS diagnostiziert wurden, brach für ihn eine Welt zusammen. Er wurde mehrmals in der für MS-Kranke spezialisierten Neurologischen Klinik in Stuttgart behandelt, doch sein links Bein ist nahezu gefühllos. „Ich habe jetzt wenigstens im Kopf begriffen, dass ich mich mit der Krankheit abfinden und etwas dagegen tun muss“, sagt er. Aber die psychischen Probleme kann er doch noch nicht ausblenden. „Es betraf ja auch mein Privatleben und das hat mich gebeutelt, dass ich nicht mehr weiter wusste.“

Zur Scheidung kam die Kündigung der Wohnung wegen Eigenbedarfs. „Find’ mal eine Wohnung, wenn du dich nur mit Stöcken bewegen kannst!“ Er fand eine und konnte von den Vormietern Möbel und Küche übernehmen. Seine Erwerbsminderungsrente reichte allerdings nicht für die Summe, die verlangt wurde, und das Landratsamt konnte nach seinen Richtlinien nur ein Drittel des Preises beisteuern. Michael B. machte einige Umschulungen in Richtung Bürokaufmann. Doch die MS hat solch tückische Eigenschaften, dass sie neben den körperlichen Einschränkungen auch Konzentrationsstörungen bewirkt. Jetzt arbeitet er wieder in seinem Metier, allerdings für viel weniger Geld. Sein sehnlichster Wunsch zu Weihnachten? „Dass die Reha im Januar Ruhe in die Krankheit bringt, damit sie nicht weiter fortschreitet.“ „Nachbarn in Not“ steuerte ein bisschen bei, um den positiven Weg, den Michael B. anstrebt, zu unterstützen.

Von Renate Lück

Eine Welt bricht zusammen