Aus der SZ/BZ vom 02.1.2017

Wenn man richtig krank ist und immer die Behandlung und Rehabilitationsmaßnahmen erstreiten muss, geht man kaputt oder wird wütend. Dora N. kämpft.

„Geht das schon wieder los!“, dachte die 76-Jährige, wie sie später erzählte, als sie gerade von der Reha nach Hause kam und nach den Taxikosten gefragt wurde. An der Stelle ist sie empfindlich, denn die letzten übernahm die Krankenkasse nicht mit der Begründung, der Arzt habe die Verordnung erst vier Wochen nach der Operation ausgeschrieben. „Ich musste zur Nachkontrolle in die Klinik“, sagt sie empört. „Sonst hätte mein Enkel Urlaub nehmen müssen, um mich dort hinzufahren.“ Diesmal muss die Rentenversicherung zahlen. Dora N. ist wirklich eine geplagte Frau. Mit Anfang 40 Jahren musste sie Erwerbsunfähigkeitsrente beantragen, weil sie eine rheumatische Arthritis bekam, die so schlimm war, dass sie eine Essmaschine am Tisch brauchte. Ein Jahr fuhr sie im Rollstuhl.

Dann kam eine Krebserkrankung nach der anderen. „Man sagt, es geht vom Darmkrebs übern Lungenkrebs zum Leberkrebs“, referiert die Kämpferin. Die ersten zwei hat sie schon überstanden. „Man hat letztes Jahr einen Punkt auf der Lunge gesehen. Gibt es Metastasen? Ist nun ein Punkt auf der Leber?“ Sie ist wachsam. Seit April focht sie die Reha für den Darmkrebs aus, dann die für den Lungenkrebs, denn bezahlen konnte sie sie von ihrer kleinen Rente nicht. „Mein Mann ist an Lungenkrebs gestorben, aber er hat geraucht“, versucht sie die Ursachen zu ordnen. Sie raucht nicht. „Zehn Jahre war ich in Krankenhäusern und Reha-Kliniken zwischen dem Teutoburger Wald und Oberammergau.“

In der Weihnachtszeit wollte sie zu Hause sein. Die Sozialarbeiterin, die sie schon länger betreut, bat „Nachbarn in Not“ um Übernahme der Taxikosten, die der Fahrer gestundet hatte. Dora N. schrieb eine schöne Karte an die Hilfsorganisation und bedankte sich sehr. Nun steht sie auf der Seniorenliste und kann die nächsten Taxikosten vielleicht selbst bezahlen.

Eine Erkrankung nach der anderen