Von Renate Lück

Die jüngste Spenderin, die der Geschäftsführerin von „Nachbarn in Not“ auffiel, war die achtjährige Luisa. Sie hatte ihr Sparschwein geschlachtet für Kinder, denen es nicht so gut geht wie ihr. Angestiftet hatten sie dazu ihre Großeltern Christa und Volker Hausmann in Böblingen.

Anlässlich einer neuerlichen Spende kamen wir ins Gespräch und Volker Hausmann begründete, warum sie die Sindelfinger Hilfsorganisation bedenken, so: „Weil es uns gut geht. Wir haben gesunde Kinder und Enkel. Wir können es uns leisten, den vielen, denen es viel, viel schlechter geht als uns, irgendwie zu helfen. Es gibt tausend Möglichkeiten. Aber ich würde nie nach einem Fernseh-Aufruf für eine Katas­trophe irgendwo in der Welt spenden, weil ich denke, dass da nur die Hälfte ankommt. Bei ‘Nachbarn in Not’ weiß ich durch die Artikel und den Christbaumverkauf bei Walker, wie Menschen geholfen wird und dass bei der geringen Personenzahl, die dort mitarbeitet, das Geld 1:1 ankommt und gerecht verteilt wird.“

Er denke an hilfsbedürftige Familien, oft mit Migrationshintergrund, oder Einzelpersonen, die zu stolz sind, zum Sozialamt oder zur Tafel zu gehen. Zum großen Teil seien es wohl alleinstehende Frauen, die es nicht gewohnt sind, um etwas zu bitten, weil sie während ihres ganzen Lebens eher selbst geholfen haben. Und der Rentner gibt zu: „Unsere Spende ist stark von meiner Frau geprägt. Ich bin der Spender, sie ist der Antrieb.“ Luisa wurde auch von der Oma angeregt. „Sie bekommt Taschengeld und Belohnung für gute Noten“, erklärt Volker Hausmann. „Da hat ihr meine Frau gesagt: Wir wollen spenden und du könntest auch einmal mit spenden. Da hat sie einen Teil ihres Sparschweins geopfert.“

Inzwischen fühlen sich Christa und Volker Hausmann selbst wie Nachbarn in Not. Nach einem erfolgreichen Berufsleben und vielen interessanten Reisen nach Afrika, Australien und in die USA können sie aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr durch die Welt tigern. Ihr Haus in Sindelfingen hatten sie schon gegen eine Wohnung in Böblingen getauscht – der Reisen wegen. Doch nun beobachten sie die Welt im Wesentlichen durch Informationen in Zeitungen und Fernsehnachrichten. Und bewahren sich trotzdem ein Herz für hilfsbedürftige Mitmenschen.

Ein Herz für hilfsbedürftige Menschen