Nachhaltigkeit bei der Unterstützung

Sindelfingen: Für „Nachbarn in Not“ wurden 2019 knapp 216.000 Euro gespendet / Die Hilfsorganisation konnte damit über 2000-Mal helfen

Von Renate Lück

Die Mitgliederversammlung der Sindelfinger Hilfsorganisation „Nachbarn in Not“ fiel dieses Jahr wegen der Pandemie aus. Berichte und Veränderungen wurden im schriftlichen Umlaufverfahren beschlossen. Die Vorsitzende, Dr. Roswitha Seidel, stellte ihren Jahresbericht unter das Stichwort Nachhaltigkeit, denn gemäß dem Motto des Vereins werden die Einnahmen als Anschub zur Selbsthilfe verteilt.

Auch wenn 2019 8,3 Prozent weniger Spenden eingingen als im Jahr davor und die Zahl der Überweisungen um 6,2 Prozent zurückging, solle keine Trauer aufkommen. Schließlich habe „Nachbarn in Not“ seit Beginn des Bestehens knapp 4,5 Millionen Euro an sozial Benachteiligte weitergegeben und ihnen damit ein Stück zu Normalität und Sicherheit verholfen.

Der Dezember ist jeweils der einträglichste Monat im Jahr, angeregt durch die Berichte in der SZBZ. „Dabei sind dies bei Weitem nicht die traurigsten Geschichten. Viele Bedürftige stimmen der Veröffentlichung nicht zu aus Angst, erkannt zu werden“, schreibt Dr. Seidel.

Manchmal beuteln die Schicksale sogar die Sozialarbeiterinnen, die sich mit den Anträgen befassen: „Dann sind wir froh, wenigstens auf materieller Seite helfen zu können, damit die Menschen eine faire Chance haben, wieder Fuß zu fassen“, so Seidel.

Von den Ämtern wurden oft Gegenstände des täglichen Lebens für die Antragsteller erbeten – Dinge, die den meisten Menschen selbstverständlich erscheinen, wie Waschmaschine oder Herd. Das neue Logo, das nun fast täglich in der Zeitung erscheint, veranlasst manche Jubilare und sogar Angehörige von Verstorbenen, um Spenden für „Nachbarn in Not“ zu bitten. Dafür ist der Vorstand sehr dankbar. Dazu kommen Aktivitäten von Firmen und Vereinen, auch den Hanke Brothers, die die Kasse füllen. „Ein Hammer“ sei das handsignierte Trikot der Vize-Europameister 2008 gewesen, das Manne Hämmerle zur Versteigerung der SZBZ übergab. Es brachte 1111,11 Euro ein.

Die Vorsitzende dankt allen, die sich für das Gelingen der Arbeit einsetzen: der fleißigen Geschäftsführerin Biggi Haug, ihrer Stellvertreterin Carmen Bühl, dem kreativen Basar-Team um Sonja Ehmann sowie dem kommissarischen Finanzchef Joachim Gießler und Doris Martini, die Biggi Haug in Bank­angelegen­heiten zur Seite standen. Hans-Jürgen Pöss fuhr die Spendenbescheinigungen aus. Markus und Nikol Döttling engagieren sich mit verschiedenen Aktionen für den Verein und Christine Jourdan vom Sozialamt der Stadt Sindelfingen ist sogar in den Ferien anzusprechen. Nicht zuletzt unterstützt Chefredakteur Jürgen Haar den Verein zusammen mit den Redakteuren der SZBZ.

Sonja Ehmann berichtete vom Winterbasar, diesmal auch von der Logistik: „Wir haben sechs Anhänger mit Regalen und Waren in die Messehalle gefahren. Zwei volle Tage waren sieben Personen mit Standaufbau, Dekorieren und Präsentieren der Ware beschäftigt. Ohne Anhänger war es früher noch viel anstrengender.“ Gleich bei Eröffnung der Messe war die Stammkundschaft da. „Sie wollten noch die volle Auswahl haben.“ Vielen Kundinnen sei „Nachbarn in Not“ vertraut und sie halten ein Schwätzchen, doch es gebe immer noch Leute, die die Hilfsorganisation nicht kennen.

Verkaufsschlager waren wieder die Holzarbeiten, Stricksocken, kleine Mitbringsel, Verpackungen für Geldgeschenke sowie Glückwunsch- und Trauerkarten. Gertrud Zetzsche, eine der Kartenmacherinnen, wurde dieses Jahr 99 Jahre alt (inzwischen ist sie 100 Jahre alt) und Strickerin Margot Stark feierte ihren 90. Geburtstag. Erfreut ist Sonja Ehmann auch über die Jugendlichen, die sich beim Verkauf geschickt einbrachten. „Unser Personal konnte erweitert und verjüngt werden. Das ist notwendig, da einige Helferinnen altersgemäß aufhörten.“ Der Erlös betrug diesmal rund 7.500 Euro.

Bei den Vorstandswahlen wurden Dr. Roswitha Seidel und Carmen Bühl wieder gewählt. Einen Wechsel gab es beim Kassenwart: Dem kommissarischen Finanzchef Joachim Gießler, der die Kassenabrechnung 2019 erstellte, folgt Peter Heinkele, Privatkundenbetreuer bei der Volksbank, der einstimmig gewählt wurde. Kassenprüferinnen sind Waltraud Grünwald und Helga Friedrich.

„Ob eine Unterstützung durch ‚Nachbarn in Not‘ nachhaltig ist, hängt von der Persönlichkeit und deren Willen ab. Wir bemühen uns um einen gezielten Anschub und freuen uns immer wieder über dankbare Rückmeldungen“, schließt Dr. Seidel ihren Bericht.

Die Trikotversteigerung war „der Hammer“