Von Renate Lück

Aus Bayern nach Sindelfingen geflüchtet, um sich und die Kinder vor ihrem Mann zu retten – doch die Schicksalsschläge hören auch hier nicht auf.

„Die Frau hat in ihrer Ehe und vor allem in den letzten Jahren Unmenschliches erlebt“, schreibt die Sozialarbeiterin, die Janette L. betreut. Die 40-Jährige wurde vor zweieinhalb Jahren zusammen mit ihren Kindern unter Polizeischutz ins Frauenhaus gebracht, um ihrem extrem gewalttätigen Mann zu entkommen. Aber er fand sie. Da ließ sie sich im Eilverfahren scheiden und zog weit weg.

Übers Internet lernte sie einen anderen Mann kennen, bei dem sie Zärtlichkeit suchte. Doch er hatte Alkoholprobleme, weshalb sie sich von ihm trennte, obwohl sie ein Kind von ihm er-wartete. Solange es möglich war, arbeitete Ja-nette L. als Qualitätsprüferin in einem Industriebetrieb. Die beiden Großen hatten sich in der Schule gut eingelebt und Freunde gefunden.

Doch in ihrer Panik hatte sie eine reichlich teure Wohnung gemietet, die sie nun nicht mehr bezahlen kann, denn zur Zeit leben sie von Hartz IV. Die Vermieterin droht, die Möbel zu pfänden. Vom Jobcenter bekommt sie kein Darlehen mehr, weil sie schon eins für die Kaution der Wohnung laufen hat. Die Schwierigkeiten wurden noch größer, als der Zwölfjährige im vergangenen Sommer schwer erkrankte.

Sie ließ ihn in ihrer Heimatstadt operieren, weil sich dort ihre Eltern um den anderen Teenager und das Baby kümmern konnten, während sie im Krankenhaus war. Der Junge bekam keine Luft und hatte Wucherungen im Bauch. Zu allem Überfluss fing er sich noch Keime im Krankenhaus ein und kämpfte auf der Intensivstation ums Überleben. Für diesen Monat, in dem die Familie nicht in ihrer eigenen Wohnung lebte, bezahlte das Jobcenter keine Miete, was die Außenstände noch erhöhte. Kurz vor Weihnachten wurde der Junge wieder operiert, diesmal wegen einer starken Verkrüm-mung der Wirbelsäule. Da ihr Ex-Mann noch das Sorgerecht für die Kinder hat, muss sie ihn bei jeder OP um seine Unterschrift bitten, was ihren Nerven nicht guttut.

Nun wurde bei ihr ein Hirntumor festgestellt, der in den Osterferien operiert wird. Und wenn das vorbei ist, kommt sie wohl um eine Herzoperation nicht herum. Damit wenigstens zu Hause wieder Ordnung herrscht, unterstützt „Nachbarn in Not“ die Familie mit einem Zuschuss für Miete, Herd und eine Waschmaschine.

Die Schicksalsschläge hören nicht auf