Andreas und Christoph Walker sind Landschaftsgärtner aus Leidenschaft

Von Renate Lück

„Uns gibt’s nur im Doppelpack“ hatte Christoph Walker dem SZ/BZ-Redakteur beschieden, der ein Porträt zum Weihnachtsbaumverkauf wollte. Und so antworten auch beide Brüder auf die Fragen der Besucherin.

Christoph Walker arbeitet seit 2001 im väterlichen Betrieb, Andreas seit 2002. Beide sind in den Beruf „so hineingewachsen“. Gelernt haben die Landschaftsgärtner und -architekten in den 1990ern in einem größeren Betrieb in Heilbronn, der ähnlich strukturiert ist, wie der heimische. Nun ist schon einer der beiden Söhne von Christoph im dritten Lehrjahr. „Aber ob er einmal übernimmt, ist noch nicht raus. Er muss seine Sporen erst einmal woanders verdienen. Es gibt so viele Möglichkeiten in diesem Berufsbild: eine Baumschule oder größere und kleinere Betriebe. Vielleicht wird er aber auch Musiker.“ Der Vater lässt es ihm offen, hofft aber doch, dass er später einsteigt. „Wir sind noch nicht in dem Alter, uns um unsere Nachfolger Gedanken zu machen. Ob sie die Betriebsführung, wie wir sie betreiben, fortführen wollen, ist noch die Frage“, sagt Andreas. Seine drei Kinder sind noch klein. Sie helfen aber beim Weihnachtsbaumverkauf für „Nachbarn in Not“. Ruben empfängt die Fotografin jedes Mal mit dem Satz: „Jetzt komme ich wieder in die Zeitung!“

Walkers haben eine Fan-Gemeinde, die an diesem Samstag um halb acht vor der Tür steht, obwohl der Verkauf erst um acht Uhr beginnt. „Ich bin jeden Samstagfrüh im Betrieb, gehe aber zum Frühstücken noch einmal heim. Wenn ich dann wiederkomme, finde ich keinen Park­platz mehr“, erzählt Andreas. Den Weihnachtsbaumverkauf haben sie vom Vater übernommen. Er hatte noch Weihnachtsbaum-Äcker, die durch den Calwer Knoten und die Zufahrtsstraße zum Daimler überbaut wurden. „Wir haben mit den Bäumen nichts gemacht, wir bauen Gärten. Aber es wäre schade gewesen, sie einfach abzusägen. Deshalb kam die Idee auf, sie für einen guten Zweck zu verkaufen“, erzählt Christoph. Mittlerweile besorgen sie Bäume aus Ostelsheim und der weiteren Umgebung, um den Geschmack der Kunden nach Nordmanntanne oder Blaufichte zu befriedigen. „Diese Aktion ist ein fixer Termin in unserem Familienkalender, wie der Weihnachtsmarkt in Maichingen.

„Wir betreiben dieses Projekt als Geschenk für die Leute, die wir gern haben. Es kommen Kunden. Freunde und Menschen, die Glühwein wollen. Das macht es charmant.“ Und manche wollen einen Retrobaum. „Ich hoffe, dass wir welche bekommen“, ergänzt der Bruder. Die Geschichte sei gewachsen aus dem Engagement ihres Vaters Karl Walker und der Vorsitzenden von „Nachbarn in Not“, Dr. Roswitha Seidel. „Wir haben es fortgeführt, denn es ist schon toll, dass jeder Cent vor Ort zum Einsatz kommt. Mit der Firma wollen wir lokale Projekte und vielfältige Traditionen unterstützen.“ Die Brüder fühlen sich verwurzelt in der Region mit ihrem langjährigen Mitarbeiterstamm. Der Betriebsleiter zum Beispiel ist seit 54 Jahren dabei.

Übergabe des Ergebnisses der Tombola des Rotary-Clubs Sindelfingen

„Wir versuchen auch, mit regionalen Natursteinen zu arbeiten, mit Sand- und Kalksteinen und Jura aus Süddeutschland, um Umweltschäden durch Treibstoff beim Transport niedrig zu halten. Aber dann rechnet uns der Händler vor, dass Steine aus Neufundland, die in China bearbeitet werden, billiger zu haben sind.“ Was die beiden auch ärgert, sind die vielen Vorschriften und Verordnungen. Zum Beispiel brauchen jetzt die Fahrer für die verschiedenen Anhänger jeweils einen Extra-Führerschein. „Das kostet jedes Jahr viel Zeit und Geld für die Schulung und macht das Leben in einem kleinen Betrieb schwer. Wir müssen ja mit dem Knowhow immer hinterherkommen. Das behindert die Arbeit an den Baustellen und die Kreativität.“

Trotzdem ist die Leidenschaft für den Beruf immer noch so groß wie am Anfang. „Wir haben tolle Kunden, schöne Projekte und gute Mitarbeiter.“ Die schönsten Aufträge in letzter Zeit waren der Eisweiher in Sindelfingen und der Saunagarten bei der Böblinger Therme. „Aber Dienstleistung und Service haben einen viel höheren Stellenwert als früher, weil wir selbst finden, dass wiederkehrende Sachen wichtig sind“, sagt Christoph. Allein in der Pflege sind zwanzig Leute beschäftigt. „Wir haben Gärten, die nach drei Jahren Pflege noch schöner sind als bei der Anlage, weil sie dann angewachsen sind. Wir wollen auch danach noch Ansprechpartner zu sein.“ Die beiden machen auch viel für die Stadt. „Jetzt fährt ein LKW mit Herbstpflanzen durch Sindelfingen, Maichingen und Darmsheim.“

Manchmal müssen sie zaubern, wie vor einem Jahr nach dem Weihnachtsbasar. „Es gab ja bei der Tombola von Rotary auch Weihnachtsbäume zu gewinnen. Ein Mann hat drei Stück ergattert. Doch am Schluss kam ein kleines Mädchen mit einem Gutschein und es stand nur noch ein Baum da. Der war nicht so ganz schön, aber wir haben gesagt: ‘Der wartet genau auf dich.’ Und ich bin sicher, er wurde schön geschmückt“, sagt Andreas Walker. Der Erlös der diesjährigen Tombola und des Glücksrads des Rotary Clubs Sindelfingen auf dem Wintermarkt ergab 3.500 Euro. Er wird heute um 9.30 Uhr bei der Firma Walker an „Nachbarn in Not“ übergeben.

Die Brüder gibt es nur im Doppelpack