Von Renate Lück

Das Leben von Edgar P. ging ziemlich durcheinander. Jetzt versucht er, mit Hilfe von „Nachbarn in Not“ Ordnung hineinzubringen.

Sein Vater war Landwirt nördlich von Berlin und Edgar P. arbei­tete ebenfalls in dem Betrieb. Doch das Verhältnis zwischen Vater und Sohn war nicht sehr erquicklich. „Er war so geizig. Wenn wir etwas gebraucht haben, hat er immer gesagt: Das haben wir zu Hause“, ärgert sich der 71-Jährige heute noch. Geerbt hat er auch nichts, als der Vater starb. Edgar P. wurschtelte sich so durch, arbeitete ein paar Jahre in einer Zigarettenfabrik, hat aber keine Papiere, weil in der Wendezeit alles drunter und drüber ging. Einige Jahre lebte er sogar auf der Straße. „Essen war kein Problem, bei den Kirchen gab es eine warme Suppe und ein paar Mark vom Pfarrer. Die fuhren mit einem Kleinbus bei Wind und Wetter durch die Stadt. Aber ein Dach überm Kopf – das war immer schwierig.“ Er ist ganz stolz, dass er trotzdem nicht krank geworden ist, nur im Kreuz hat er es.

Als es ihm möglich war, aus Berlin wegzugehen, habe er sich die Landkarte vorgenommen und geguckt, wo es schön ist. „Und dann habe ich eine Fahrkarte nach Baden-Württemberg gekauft.“ Auch hier suchte er sich Arbeitsstellen. Doch wenn es Streit mit dem Chef gab, war er schnell wieder weg. Nun lebt er von Grundsicherung. Vor Kurzem musste er die Wohnung wechseln, weil das Haus verkauft wurde. Das ging so plötzlich, dass er nur sein Bett mitnehmen konnte. Alles andere stellte er in die Garage. Doch das tat den Möbeln nicht gut. Sie wurden so feucht, dass sie nicht mehr zu gebrauchen waren. Sein größter Wunsch war, die neue 1 1/2-Zimmer-Wohnung mit Kleiderschrank, Schuhschrank, Couch und Couchtisch wohnlich zu machen. Jetzt hat er noch Probleme mit dem Wasseranschluss, damit er Wäsche waschen kann. „Ich kann doch nicht so schmutzig rumlaufen.“ Zu Weihnachten möchte er alles schön haben.

Dach überm Kopf war schwierig