Von Renate Lück

Gewalt gegen Frau und Kinder bis zum Platzverweis durch die Polizei, aber dann auch keinen Unterhalt für die vier Kinder zahlen – Friederike H. hat einiges durchgemacht, bis die sie betreuende Sozialarbeiterin „Nachbarn in Not“ um Hilfe bat.

Als Alfred H. seine Frau im August vorigen Jahres wieder schlug und der vierjährige Sohn dazwischengehen wollte, verprügelte er auch gleich ihn. Der herbeigerufenen Polizei erzählten die drei großen Geschwister, dass ihnen solche Situationen nicht neu waren. Der Vater war schon lange Zeit gewalttätig. Nun bekam er einen Platzverweis. Das schützte die Familie zwar vor Schlägen, aber nicht vor Armut. Die finanziellen Angelegenheiten hatte immer das Familienoberhaupt geregelt, sodass Friederike H. keinen Einblick in die Kasse hatte. Seit ihr Mann die Wohnung verließ, bezahlt er keinen Unterhalt für die Kinder. Die Familie bezieht nun Geld vom Jobcenter.

Wenn das Budget schon knapp ist, kommen immer noch weitere Schwierigkeiten hinzu. Eine Tochter trägt eine Zahnspange wegen der Fehlstellung der Zähne. Doch die Fehlstellung ist nicht so gravierend, dass die Krankenkasse sie bezahlen würde. Sie zahlt ab Schweregrad drei, das Mädchen wurde aber nur in Grad zwei eingestuft. Das bedeutet, nach jedem Besuch beim Kieferortho­päden kommt eine neue Rechnung. Jetzt ist auch noch der Trockner nach 14 Jahren kaputt gegangen. In der Wohnung kann Friederike H. die Wäsche nicht aufhängen, dazu ist sie zu klein. Sie hätte gern für die viele Wäsche ein neues Gerät. Und der Jüngste ist aus seiner Kleidung herausgewachsen und braucht neue Sachen. Da ist guter Rat teuer oder landet bei „Nachbarn in Not“.

Blaue Flecken und kein Geld