Von Renate Lück

Bernd S. war mal Rettungsschwimmer bei der Bundeswehr. Seit acht Jahren ist er auf die Hilfe anderer angewiesen, weil er nichts mehr sieht.

Der 68-jährige gelernte Großhandelskaufmann war früher sehr sportlich, schwamm nicht nur gut, sondern spielte auch Tennis. „Ich könnte Bademeister sein“, hängt er seinen ehemaligen Fähigkeiten nach. Aber er wusste nicht, dass man regelmäßig den Augeninnendruck messen lassen sollte. Und so passierte es, dass das eine Auge bei 68 mm Hg implodierte und er plötzlich nichts mehr sah. „28 wäre noch normal gewesen“, erklärt er. Das andere Auge wurde operiert und hatte danach eine Sehkraft von fünf Prozent. „Aber jetzt erkenne ich nur noch hell und dunkel.“ Er geht am Stock und ist in Pflegegrad 2 eingestuft. „Ich hätte zu einer Reha fahren dürfen. Doch meine Frau war so krank, ich wollte sie nicht allein lassen.“ Sie hatte Krebs und musste regelmäßig zur Dialyse. Im Januar starb sie.

Seitdem versucht Bernd S., mit Unterstützung eines Pflegedienstes und eines Bekannten auf Minijobbasis in seinem Haushalt zurechtzukommen. Ein anderer Bekannter, der ihm ehrenamtlich zur Seite steht, vermittelte den Kontakt zum Blindenverein. Über diesen erhielt er die Möglichkeit, in einem barrierefreien Hotel, das auf Sehbedürftige und Blinde eingerichtet ist, eine Woche Sommerurlaub zu machen. „Das war toll! Es hat eine Turnhalle und ein Schwimmbad, in dem ich meine eigenen Übungen machen konnte. Und das Personal brachte das Essen an den Tisch“, schwärmt er. „Ich habe nur gefrühstückt und zu Abend gegessen und dabei zwei Kilo zugenommen.“

Doch es hat auch etwas gekostet. Und von der Bestattung seiner Frau lasteten auch noch Gebühren auf ihm, die nicht vom Landratsamt übernommen wurden. So bat die Sozialarbeiterin, die ihn seit fünf Jahren kennt, „Nachbarn in Not“ um einen Zuschuss. Dafür bedankte sich Bernd S. sehr herzlich und ergänzte: „Nächstes Jahr fahre ich zur Reha, das bezahlt die Krankenkasse.“ Bis dahin lenken ihn statt Schachfiguren die Fernsehnachrichten und alte Filme ab, die er nach kurzer Zeit an den Stimmen der Schauspieler erkennt.

Bernd S. erkennt nur hell und dunkel