Die Hilfsorganisation „Nachbarn in Not“ wurde im lezten Jahr deutlich mehr gespendet als zuvor (SZBZ vom 4.9.21)

Für Spendenaktionen wie die von Salvatore Romeo ist man bei „Nachbarn in Not“ in diesen Zeiten besonders dankbar. Romeo feierte mit seinem Curry-Truck am Grünen Platz in Sindelfingen sein „Einjähriges“ und spendete aus dem Erlös 1500 Euro an die Hilfsorganisation. Das SZ/BZ-Bild zeigt Peter Heinkele, Llisa Polz, Salvatore Romeo und Gabi Reidelbach (von links) bei der Scheckübergabe.

Die Corona-Pandemie zeigt es überdeutlich: Hilfsorganisationen wie „Nachbarn in Not“ sind für bedürftige Menschen eine große Stütze. Deshalbsind die Ehrenamtlichen bei „Nachbarn in Not“ dankbar, dass die Hilfsbereitschaft der Menschen größer ist denn je.

Der neue Kassenwart Peter Heinkele staunte nicht schlecht: 2020 wurden 268.609 Euro an Spenden für die Hilfsorganisation überwiesen, das sind 32 Prozent mehr als 2019. Dazu kamen zwei Großspenden und der Erlös des „Wintermarkt-Ersatzes“, was die Gesamteinnahmen 297.077 Euro bedeutet. Heinkele hatte befürchtet, dass wegen Corona die Spendenbereitschaft eher rückläufig sein könnte.

2147 Spender

Aber es waren auch mehr Personen – 2.147 insgesamt, die sich gedacht hatten, dass es durch die Pandemie noch mehr Menschen schlechter geht als sonst. „Corona hat zwar das Leben vieler beeinträchtigt, aber gleichsam auch eine enorme Solidarität ausgelöst. Nur so erklärt es sich für mich, dass die Zahl der spendenwilligen Mitbürger um neun Prozent gestiegen ist“, schreibt die Vorsitzende Dr. Roswitha Seidel in ihrem Jahresbericht.

Bei der Mitgliederversammlung bestätigte Geschäftsführerin Biggi Haug, bei der alle Anträge auf Unterstützung ankommen, dass viel mehr Menschen unterstützt wurden als üblich. 45 Anträge hatten dabei direkt mit Corona zu tun. Ein Beispiel dazu steht im Jahresbericht des Vereins: In einer fünfköpfigen Familie arbeitete der Vater Vollzeit in der Gastronomie und die Mutters putzte abends dort. Die Kinder hatten zusammen einen Laptop für die Hausaufgaben. Als Corona kam, verlor die Mutter ihre Arbeitsstelle und der Vater wurde in Kurzarbeit geschickt. Die Kinder brauchten nun fürs Homeschooling drei Computer, denn sie mussten jeweils in ihren Klassen am Online-Unterricht teilnehmen. „Nimmt man daran nicht teil, wird dies mit einer schlechten Note bewertet. Ausreden lassen die wenigsten Lehrer gelten“, weiß Biggi Haug, deren Sohn gerade mit der Schule fertig ist.

Und dies ist nicht der einzige Fall, bei dem die Eltern an sich und dem System zweifeln, nachdem sie bis jetzt stolz darauf waren, ihren Kindern zu zeigen, wie wichtig es ist, im Leben zu lernen und zu arbeiten, damit man sich seine Wünsche erfüllen kann. Aber die Notlage der Menschen wegen Corona sitzt teilweise noch tiefer. „Diesmal geht es nicht um Waschmaschinen, sondern um Lebensmittel. Wir hatten so viele neue Antragsteller wie niemals zuvor. Und das hat sich bis heute nicht geändert“, berichtet Biggi Haug.

Im Ganzen konnte die Hilfsorganisation 1.634 Menschen mit 184.440 Euro unterstützen. „Die Summe unserer Hilfestellungen stieg damit seit Beginn der Aktion im Jahr 1983 auf 4,6 Millionen Euro“, zieht die die Vorsitzende Dr. Roswitha Seidel Bilanz. Der Dezember ist jeweils der einträglichste Monat im Jahr, weshalb Peter Heikele hofft, dass zusammen mit dem Überschuss aus dem Jahr 2020 die Spenden für 2021 ausreichen werden, ohne dass auf das Stiftungskapital zurückgegriffen werden muss.

Einige bekannte Aktionen, deren Erlöse in der Vergangenheit „Nachbarn in Not§ zugute kamen, wie das Erbseneintopfessen der Redakteure, der Winterbasar und auch einige Straßenfeste, fielen wegen Corona aus. Aber die beiden Hobby-Künstlerinnen Lisa Polz und Gabi Reidelbach wollten ihre Holzsachen doch unter die Leute bringen und starteten einen Privatverkauf mit Anmeldung und Corona-konformem Abstand. Der Rest ging dann noch beim Weihnachtsbaumverkauf bei der Firma Walker weg. Da dieses Jahr der Basar wieder ausfällt, grübeln sie schon über etwas Ähnliches.

Spenden kamen aber auch vom Rotary-Club, dem Mundschutzverkauf im Rathaus und der Apotheke Seidel, verschiedenen Firmen sowie von Jubiläen und runden Geburtstagen. Die Vorsitzende dankte allen, die sich für das Gelingen der Arbeit einsetzen: ihrer Stellvertreterin Carmen Bühl, der Geschäftsführerin Biggi Haug sowie den Verantwortlichen für die Finanzen Peter Heinkele und Doris Martini. Markus und Nikol Döttling posten Berichte auf Facebook und stellen Spendenboxen auf. Hans-Jürgen Pöss hilft immer, wo es nötig ist. Christine Jourdan im Sozialamt kümmert sich auch in den Ferien um Hilfsbedürftige.

Neue Mitglieder der Hilfsorganistation sind seit der Mitgliederversammlung Gabi Reidelbach und SZ/BZ-Verleger Dr. Christian Röhm. 

Corona hat enorme Solidarität ausgelöst